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Die Türkei - Menschen und ihre Kultur
von Stephanie Kujadt

  1. Beschreibung der Lerngruppe/Lernausgangsvoraussetzungen
  2. Didaktische Analyse nach Klafki
  3. Methodische Analyse
  4. Sachanalyse
  5. Beschreibung der Ziele
  6. Darstellung des Verlaufs
  7. Literaturverzeichnis

1. Beschreibung der Lerngruppe / Lernausgangsvoraussetzungen

1.1. Beschreibung der Lerngruppe

Es handelt sich um eine erste Klasse von 23 Kindern (, 14 Mädchen und 9 Jungen). Das Schuljahr hat vor acht Wochen begonnen und die meisten Kinder haben Freundschaften geschlossen. Die Schule liegt im Stadtrandbereich und 12 der Schüler kannten sich bereits durch den gemeinsamen Kindergartenbesuch. Der Kindergarten gehört zur katholischen Gemeinde, ist aber auch für nicht-katholische Kinder offen. Die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten hat für diese Kinder zu einem positiven Übergang in die Grundschule gesorgt. Wir haben in den ersten Wochen schon viele Spiele und Teamarbeiten gemacht, um diese feste Gruppe ein wenig aufzulockern und auch anderen Kindern die Möglichkeit zu geben, dort Fuß zu fassen. Die Schüler sind größtenteils sehr sprachgewandt und haben sich gegenseitig erzählt, wie sie den Schulbeginn empfunden haben, wie es war, alte Kindergartenfreunde in der neuen Umgebung zu treffen, beziehungsweise lauter fremde Gesichter in den ersten Tagen um sich zu haben, die dann langsam Namen bekamen und mit jedem neuen Tag ein bisschen vertrauter wurden. Problematisch ist die Integration dreier türkischer Kinder (zwei Jungen, ein Mädchen), deren Sprachfähigkeiten begrenzt sind und die von den anderen ausgegrenzt werden. Die beiden Jungen reagieren häufig aggressiv, wenn sie etwas nicht verstehen oder das Gefühl haben, dass andere sich über sie lustig machen. Das Mädchen zieht sich stark zurück und nimmt zu niemandem Kontakt auf. Die anderen Kinder sind durch das aggressive Verhalten irritiert, reagieren ablehnend auf die beiden türkischen Jungen und grenzen diese zunehmend aus.
Bei dem türkischen Mädchen hat es diverse Versuche gegeben, sie in Spiel- und Arbeitssituationen einzubeziehen, die aber bei ihr kaum auf Resonanz stießen, woraufhin sich die anderen Kinder von ihr zurückzogen.
Im katholischen Kindergarten hatte es nur selten bis gar keinen Kontakt mit türkischen Familien gegeben, da diese sich eher einem städtischen, als einem konfessionellen Kindergarten zuordnen. Um eine Verhärtung dieser Situation zu verhindern, möchte ich mit den Kindern einen Unterrichtsvormittag zum Kennenlernen der türkischen Kultur gestalten.

1.2. Beschreibung der Lernausgangsvoraussetzungen

Vorab haben wir in einem Stuhlkreis darüber gesprochen, was die Kinder über die Türkei wissen. 3 Schüler sind schon einmal im Urlaub dort gewesen und haben türkisches Essen probiert. Es war ihnen auch aufgefallen, dass viele Frauen Kopftücher trugen und die Kirchen ganz anders aussahen. Die meisten der Schülerinnen und Schüler haben wenig bis gar keine Vorstellung vom Leben einer türkischen Familie. Die türkischen Kinder wurden von ihren Mitschülern gefragt, ob denn ihre Mütter auch Kopftücher tragen und ob es in Deutschland solche Kirchen gibt und sie dahingehen. Durch die große und ernsthafte Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler, bemühten sich die drei, Antworten zu finden, um den anderen ihr vertrautes Umfeld näher zu bringen. Wir machen eine Sammlung all der Fragen, die die Kinder haben und die wir gemeinsam beantworten möchten. Die drei türkischen Kinder werden zu unseren Spezialisten ernannt, von denen wir soviel wie möglich über ihre Heimat, ihre Lebensweise und ihre Religion erfahren möchten.

2. Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki

2.1. Gegenwartsbedeutung

Die Schüler sind mit einer ihnen fremden Kultur konfrontiert, 3 von ihnen zusätzlich mit Sprachproblemen belastet. Um ein konstruktives Miteinander dieser Lerngruppe zu schaffen, ist es notwendig, sie einander vertraut zu machen und ihnen ein Thema anzubieten, an dem sich alle im Rahmen ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen beteiligen können.
Für die drei türkischen Kinder der Klasse finden folgende wichtige pädagogische Prinzipien Anwendung: (vgl. Knörzer, Wolfgang / Grass, Karl "Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten" 5. Auflage, 2000, Weinheim und Basel, Beltz Verlag, S. 264)
Gerade die Schülerinnen und Schüler, die schwer zu integrieren sind, brauchen die Erfahrung, in der Schule persönlich willkommen zu sein. Es besteht die Möglichkeit, dass sie durch eine Bestärkung ihrer persönlichen Einmaligkeit die Unterordnung unter die für alle geltenden Regeln lernen.
Die Konfrontation mit der jeweils anderen Kultur ist für alle Kinder dieser Klasse Bestandteil ihrer Lebenswirklichkeit. Sie haben in den letzten Wochen ihre gegenseitige Andersartigkeit erfahren und keinen Weg zu einem konstruktiven Miteinander gefunden, was zu Ausgrenzung und Disharmonie geführt hat.
Der geplante Unterrichtsvormittag findet auch in den im Folgenden zitierten Ausschnitten wichtige Begründungen:
"In der Grundschule wird eine altersangemessene Form des Zusammenlebens und Arbeitens entwickelt. Diese erfordert entsprechende Regeln, die mit der Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen sowie Achtung der religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen Anderer einhergehen." ( Zitat: Erlass für die Arbeit in der Grundschule vom 03.02.04 unter 2.Aufgaben und Ziele Punkt 3)
1. Aufgaben und Ziele des Sachunterrichts Der Sachunterricht hat die Aufgabe, dem Schüler Ausschnitte der Lebenswirklichkeit zu erschließen, soweit sie für ihn bedeutsam und zugänglich sind. […]. Seine Bindungen an die vertraute heimatliche Lebenswirklichkeit müssen geachtet und erweitert werden, damit seine Selbstsicherheit gestärkt wird; besonderer Zuwendung bedarf dabei das ausländische Kind." ( Zitat: RRL f.d.GS , unter 1. Aufgaben und Ziele, Seite 5)

2.2. Zukunftsbedeutung

Die Kinder sollen Fremdes als Herausforderung verstehen. Sie sollen für andere Kulturen offen sein und auf Menschen anderer Länder mit fremden Sprachen zugehen und sie in ihren Lebensbereich integrieren können.
Bei Konfrontationen mit ausländerfeindlichen Aussagen oder Taten durch Menschen ihres Umfeldes ist es wichtig, dass die Schüler die nötige Ich-Stärke besitzen, um solchen Tendenzen mutig entgegenzutreten und den Menschen, der ihnen gegenübersteht, nicht nach seiner kulturellen Herkunft zu beurteilen oder wegen dieser zu verurteilen.
Aus diesen Gründen kann eine Bildung im multikulturellen Bereich gar nicht früh genug beginnen, nämlich möglichst bevor sich Vorurteile bei den Kindern festigen können ( , vgl. Kaiser, Astrid; "Praxisbuch handelnder Sachunterricht - Band 2", 5. Auflage, 2004, Baltmannsweiler, Schneider Verlag Hohengehren, Seite 78)

2.3. Sachstruktur

Die Aufgabenstellung an die Schüler heißt: Findet soviel wie möglich über türkische Kinder und ihr Leben bei uns und in ihrem Heimatland heraus.

  • Welche Religion haben sie und was bedeutet das für sie?
  • Welche Feste gehören zu ihrer Kultur?
  • Wie ist das Leben in einer türkischen Familie?
  • Gibt es typische Gerichte?
  • Was spielen die Kinder in der Türkei?
  • Finden wir ein Lied, das wir gemeinsam singen können?

2.4. Exemplarische Bedeutung

In dieser Phase des Anfangsunterrichts erfahren die Schüler, wie Lernprozesse ablaufen können. Anhand der in dieser Klasse existierenden realen Problematik wird ihnen klar, welche Fragen sie bei der Konfrontation mit einem für sie neuen Thema haben und mit ihnen gemeinsam werden Möglichkeiten erarbeitet, Antworten zu erhalten. Diese Vorgehensweise können sie im Grunde fächerübergreifend bei unterschiedlichsten Problemstellungen nutzen. Exemplarisch ist auch die Fähigkeit, andere Kulturen, Fremdes allgemein als spannend und als Chance zu verstehen, den eigenen Horizont zu erweitern und eine Bereicherung des eigenen Lebens darin zu sehen und es nicht vorrangig als Bedrohung zu empfinden, wie es den Schülern häufig durch die Medien vermittelt wird.
In dieser frühen Phase des Anfangsunterrichts ist in den Rahmenrichtlinien für die Grundschule - Sachunterricht als Thema vorgesehen, sich: "In der Altersgruppe" zurechtzufinden. Da in diesem Fall die Heterogenität sich auch durch unterschiedliche Kulturzugehörigkeit auszeichnet, haben die Schüler die Chance, eine exemplarische Form der positiven Auseinandersetzung miteinander kennen zu lernen. (vgl."Rahmenrichtlinien für die Grundschule - Sachunterricht" 1982, Schroedel, Seite 20 und 22)

2.5. Zugänglichkeit

Die Schüler haben in den letzten Wochen festgestellt, dass ihre türkischen Mitschüler sich von ihnen durch ihre Sprache und ihre bisherigen Lebensumstände unterscheiden. Sie haben ohne Hilfe bisher keinen Weg zueinander gefunden. Durch die geplante Zusammenarbeit mit den 3 Türkeispezialisten, die mit mir gemeinsam Unterrichtsmaterial auswählen, sich bereiterklärt haben, mir bei den Vorbereitungen zu helfen und ihr Wissen zum Beispiel über typische Kinderspiele, besondere Feste, Lieblingsgerichte, Lieder usw. weitergeben werden, ist die Zugänglichkeit für ihre gleichaltrigen Mitschüler gewährleistet. Dementsprechend finden hier auch die Rahmenrichtlinien für die Grundschule - Sachunterricht, Schroedel 1982 Anwendung, in denen auf Seite 6 unter "2. Lerninhalte" Zugänglichkeit wie folgt definiert wird: " - die Lerninhalte sind in der Lebenswirklichkeit der Schüler anzutreffen […]" Es gibt gemäß des Lernfeldes "Zusammenleben der Menschen" (ebd. Seite 7) einen geschichtlichen Bezug, weshalb die ersten Türken als zusätzliche Arbeitskräfte nach Deutschland kamen und wie Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion sich kennen lernen und friedlich miteinander leben können.

3. Methodische Analyse

3.1.Allgemein

Es geht um ein echtes Problem, mit dessen Auswirkungen die Kinder in den letzten Wochen konfrontiert waren und das sie mit den ihnen bekannten Möglichkeiten nicht lösen konnten. Somit handelt es sich um eine Thematik ihrer realen Lebenswirklichkeit. Der Unterricht soll handlungsorientiert geplant werden, damit die Schülerinnen und Schüler sich über das gemeinsame Tun und die eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit der fremden Lebensweise, beziehungsweise den vielfältigen Varianten, den Mitschülern die eigene Lebensweise nahe zu bringen, besser kennen lernen und Vorurteile oder Ängste abbauen können. Die Kindorientierung spiegelt sich darin wieder, dass das was die Kinder an der Thematik interessiert, irritiert oder befremdet, beantwortet und ausgeräumt werden soll.
Die Grenzen zwischen einem Vergleich verschiedener Religionen und der Frage nach einer sozialen Lebensform und der Suche nach Lebenssinn sind bei der gegebenen Aufgabenstellung sowohl theologisch, soziologisch, geschichtlich, als auch philosophisch zu sehen und verbinden damit Fragen vieler Fachbereiche.

3.2. Anhand des geplanten Verlaufs

Im Rahmen des offenen Anfangs haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich mit den ausliegenden Materialien vertraut zu machen. Sie können sich durch die im Hintergrund laufende Musik und die Bilder in den zum Thema gehörenden Büchern auf den folgenden Unterrichtsvormittag einstimmen. Im Bewegungsspiel zu dem türkischen Kinderlied kommt die Klasse zusammen im gemeinsamen Tun und die Kinder haben die Möglichkeit, vollständig anzukommen und ihre Aufmerksamkeit auf das Geschehen zu richten, sowie eventuelle Unruhe in Bewegung umzusetzen. Anhand der Geschichte können die Schüler ihre eigene Problematik auf die Figuren projizieren, somit Rollendistanz schaffen, sich in Empathie üben und trainieren gleichzeitig ihre kommunikative Kompetenz. In einer Klasse sind die Schüler meist auf sehr unterschiedlichen Ebenen, was ihre entwicklungspsychologische Kompetenz belangt. Deshalb ist es nötig, ihnen die Möglichkeit einer Annäherung zu schaffen. Im kreativen Bereich wird eine Binnendifferenzierung vorgenommen. Die Schüler können nach Interesse und Fähigkeit zwischen den Aufgaben wählen und eine, oder mehrere Aufgaben erfüllen. Wir setzen uns auf handlungsorientierte Weise mit dem Thema auseinander.
In der Frühstückspause wird die typische türkische Süßigkeit Halwa angeboten, denn auch der ungewohnte Geschmack und das fremde Aussehen von Speisen, soll die Kinder anregen, Neues zu probieren, sich darauf einzulassen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Vielfalt der Herangehensweise, das Lernen mit allen Sinnen und das ästhetisch-emotional-kommunikative Lernen sind so angelegt, dass die Schüler von ihren unterschiedlichen Standpunkten aus auf ihre individuelle Art etwas dazulernen, das ihren Horizont erweitert. In der Präsentation wird Selbstdarstellung nur in dem dem einzelnen Kind möglichen Rahmen verlangt.
In der 2. Arbeitsphase versammeln sich die Schüler im gemeinsamen Singen. Die drei türkischen Kinder berichten über das Leben Muhammads und über Einzelheiten ihres Lebens in ihrer Heimat und in ihren Familien, dabei greife ich nur dann unterstützend ein, wenn es nötig ist. Die anderen Schüler dürfen sich als Interviewer versuchen. Kommunikative Prozesse werden geübt. Nach diesem auch sachorientierten Arbeitsteil braucht die Klasse die Möglichkeit, ihrem Bewegungsbedürfnis nachzugehen, um für die letzte Phase der Ergebnissicherung noch einmal konzentrationsfähig zu sein. Im Kreis beim Blitzlicht ist jede / jeder aufgefordert, seine Lerneindrücke zu präsentieren und schon mal Überlegungen für zukünftiges Handeln und Verhalten anzustellen. Wichtig als Ergebnissicherung ist hier auch das Sich-Persönlich-Verabschieden. Ist diese Art des Umgangs durch die Arbeit des Tages möglich geworden oder gibt es noch Konflikte, die bearbeitet werden müssen?

4. Sachanalyse

4.1. Die Türkei und Türken in Deutschland

Die Türkei ist auf zwei Kontinenten beheimatet; Europa (5%) und Asien. Sie sind durch eine Brücke über den Bosporus verbunden, die Hauptstadt ist Ankara.

Größe:779452 Quadratkilometer
Einwohner:66670000 Türken
Bevölkerung:Türken (70 %), Kurden, Araber, Tscherkessen, muslimische Georgier u.a.
Religion:Muslime (99 %), davon 70 % Sunniten; christliche und jüdische Minderheit
Sprachen:Türkisch (Amtssprache), kurdische Sprachen, Arabisch, Sprachen der sonstigen Minderheiten
Währung:Türkische Lira
Klima und Natur:An den Küsten mediterranes Klima mit milden feuchten Wintern und heißen, trockenen Sommern, im Hochland kalte Winter mit Schnee; der Ararat, ein erloschener Vulkan im Osten des Landes, ist 5165 Meter hoch.
Rohstoffe:Erdöl, Erdgas, Kohle, Chrom, Kupfer, Eisen, Bor, Salz
Landwirtschaft:Weizen, Zuckerrüben, Gerste, Tomaten, Melonen, Kartoffeln, Wein, Äpfel, Mais, Zwiebeln, Baumwolle, Oliven, Gurken, Paprika, Sonnenblumen, Orangen, Zitronen, Aprikosen, Kohl, Bohnen, Kichererbsen; Pferde, Maultiere, Esel, Rinder, Schafe, Ziegen.

(vgl.: Ommer, Uwe / Furlaud, Sophie / Verboud, Pierre; "FAMILIEN - Kinder aus aller Welt erzählen von zu Hause" ,2003, Hamburg, GEO im Verlag Gruner + Jahr, Seite 58)

In Deutschland gibt es ca. 3 Millionen Muslime. Der Islam ist nach dem Christentum die größte Religionsgemeinschaft. Ca. 2,5 Millionen der in Deutschland lebenden Muslime kommen aus der Türkei. Insgesamt gibt es ca. 2000 Moscheegemeinschaften, islamische Vereine und Kulturzentren. (vgl.: Both, Daniela / Bingel, Bela; "Was glaubst du denn? - Eine spielerische Erlebnisreise für Kinder durch die Welt der Religionen", 2000, Münster, Ökotopia-Verlag, Seite 96)

4.2. Der Islam

Die Stadt Mekka, in der der Prophet Muhammad im 7. Jhd. n. u. Z. als angesehener Kaufmann lebte, war das wirtschaftliche und religiöse Zentrum Arabiens. Die herrschende Stammesreligion verehrte mehrere Götter. Durch den Kontakt mit den in Mekka lebenden Juden und Christen fühlten sich viele Araber zu einer monotheistischen Religion hingezogen. Im Alter von 40 Jahren begann Muhammad, sich mit religiösen Fragen zu beschäftigen. Er empfand die Verachtung der Armen und die vollkommene Ausrichtung auf die Befriedigung der eigenen Wünsche als falsch und begann, nachdem ihm in einer Vision der Engel Gabriel erschienen war, die Menschen zu einer Umkehr zu ermahnen. Mitte Juli 622 n. Chr. wurde Muhammad zur Auswanderung (Hedschra) nach Medina gezwungen. Mit der Hedschra begann die heutige islamische Zeitrechnung. (vgl.: Zentner, Christian; "Religionen der Welt", 1999, Reichelsheim, Edition XXL GMBH, Seite 40 - 42)

4.3. Türkische / islamische Feste

Nach islamischer Zeitrechnung entspricht unserem Jahr 2000 das Jahr 1378. Das islamische Jahr hat 12 Mondmonate mit 29 oder 30 Tagen, insgesamt 354 Tage. Feiertage sind beweglich.
Der erste Monat des Jahres ist der "Muharram", das islamische Neujahrsfest feiert den Tag der Hedschra, der Auswanderung Muhammads von Mekka nach Medina.
Im dritten Monat "Rabi al-Awwal" am 12., bzw. am 17. wird der Geburtstag des Propheten gefeiert.
Am 27. Tag des "Radjab" (7. Monat) feiert man Muhammads Himmelsreise.
Im 8. Monat, dem "Schaban" wird Allah in der Nacht vom 14. auf den 15. um Vergebung gebeten.
Der "Ramadan" ist der islamische Fastenmonat (9.Monat), der an die erste Offenbarung Muhammads erinnert.
Am 1.Tag des "Schawwal"(10.Monat) feiert die islamische Welt das Fest des Fastenbrechens, in der Türkei "Seker bayrami", "Zuckerfest" genannt. (vgl. "Was glaubst du denn?" Seite 102 - 103)
"Am 23. April 1920 wurde in Ankara beschlossen, den herrschenden Sultan zu stürzen. Dreieinhalb Jahre später wurde die Türkische Republik gegründet. Atatürk erklärte diesen Tag der Nationalversammlung zum nationalen Kindertag, Cocuk Bayram. Zu diesem Fest wird gebastelt, gesungen, getanzt, ein Theaterstück aufgeführt oder ein Schattenspiel gezeigt." (zit.: "Was glaubst du denn ?" Seite 104)

5. Beschreibung der Ziele

Besonders wichtig ist mir, dass die Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch kommen und Verständnis füreinander entwickeln. Hierin liegt meiner Meinung nach die Basis aller Sozialkompetenz und die Chance auf eine konstruktive gemeinsame Arbeit im Rahmen dieses Klassenverbandes.
Außerdem sollen hier von außen in die Klasse eingebrachte Vorurteile durch die Medien oder das Umfeld der Kinder als solche entlarvt und damit entkräftet werden.
Die Schüler sollen die Atmosphäre ihrer Klassengemeinschaft als einen sicheren Raum erleben, in dem sie aufeinander neugierig sein und sich ohne Angst begegnen dürfen.
Jede / jeder einzelne ist in seiner Einzigartigkeit wertzuschätzen, nur dann ist der Umgang miteinander von Achtung geprägt, was eine entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass die Kinder voneinander lernen können.
In diesem speziellen Fall ist es besonders positiv, dass gerade die am wenigsten integrierten Schüler über den Unterrichtsgegenstand am meisten wissen und somit in besonderem Maße in den Mittelpunkt gerückt und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden.

6. Darstellung des Unterrichtsverlaufs

6.1. Offener Anfang

Die Kinder treffen ein, im Hintergrund läuft eine CD "In 80 Tönen um die Welt" Kinderlieder und Tänze aus aller Welt - in Deutsch und Originalsprachen gesungen, (vgl. Ökotopia Verlag Münster 2000) Der Raum ist vorbereitet; es liegt das später benötigte Bastelmaterial auf einem Tisch, in der Leseecke liegen den Kindern unbekannte Bücher aus:
  • Familien - Kinder aus aller Welt erzählen von zu Hause, Uwe Ommer
  • Das grosse Fest , Dorling Kindersley Verlag
  • In 80 Tönen um die Welt, Ökotopia Verlag Münster
  • Religionen der Welt, Edition XXL
  • Was glaubst du denn? Ökotopia Verlag Münster
  • Selim und Susanne, Ursula Kirchberg, Ellermann Verlag
Die Kinder unterhalten sich, manche sehen sich die Bilder in den Büchern an.

6.2. Morgenkreis als gemeinsamer Tagesbeginn

Wir hören ein türkisches Kinderlied, das etwas an das den meisten Kindern bekannte "Brüderchen, komm tanz mit mir" erinnert ( vgl. Höfele, Hartmut / Steffe, Susanne; "In 80 Tönen um die Welt", 2000, Münster, Ökotopia Verlag, Seite 48). Es wird in die Hände geklatscht, die Arme kreisen, die Füße stapfen auf den Boden usw. Wir üben Lied und Bewegungen bis es einigermaßen flüssig ist und werden es wiederholen, wenn die Konzentration der Schülerinnen und Schüler nachlässt und sie Bewegungspausen brauchen.

6.3. Erarbeitung

In der ersten Arbeitsphase wird das uch "Selim und Susanne" herumgereicht und die Schülerinnen und Schüler erzählen, was die Personen der Geschichte auf den einzelnen Bildern erleben (, vgl. Kirchberg, Ursula; "Selim und Susanne - Selim ile Susanne", 1982, München, Heinrich Ellermann Verlag). Wir reden über unsere Gefühle in der Auseinandersetzung mit der Geschichte.

6.4. Aktivitäten im musischen Bereich

Die Kinder können sich verschiedenen Aktivitäten zuordnen, je nach Interesse und Fähigkeit:
  • aus unserer Sammelecke werden flache runde Steine ausgesucht, auf die die Kinder mit Abtönfarbe das Symbol für "Allah" gemalt wird. Die Steine müssen noch lackiert werden und können dann in der Ausstellung zu unserem Thema einen Platz finden.
  • Eine Geschichte soll in groben Zügen ausgedacht werden. Die vorkommenden Personen werden aus schwarzem Photokarton ausgeschnitten und mit Tesafilm an Schaschlikspießen befestigt. Hinter einem aufgehängten weißen Laken wird die Geschichte von der betreffenden Gruppe als Schattenspiel geplant.
  • In der Schulküche bereiten einige Schüler mit Hilfe einer Mutter/Vater Halwa als typische Süßigkeit des türkischen Kinderfestes vor.
  • Für die ganz Schnellen gibt es noch das Angebot, eine Phantasietier-Sparbüchse aus Toilettenpapierrollen zum Sammeln für einen guten Zweck zu basteln.
  • Oder aus farbigem Papier eine Moschee als Modell herzustellen.
(vgl. "Was glaubst du denn?" Seite 100 - 108)

Alles, was fertig gestellt wird in der Ausstellung präsentiert. Die Schüler sehen sich die einzelnen Stücke an. Danach kommen sie im Kreis zusammen, damit die Schattenspieler ihr Stück aufführen können.

6.5. Frühstückspause

Zu den mitgebrachten Broten wird als Nachtisch Halwa angeboten. Anschließend gehen die Kinder etwas auf den Schulhof

6.6.

In der 2. Arbeitsphase üben wir noch mal das Lied aus dem Morgenkreis. Dann berichten die türkischen Kinder über die Geschichte Muhammads und über Einzelheiten ihres Lebens in der Türkei und in ihren Familien. Die anderen Kinder dürfen sich als Interviewer versuchen und Fragen stellen. Gleichzeitig üben wir uns im Zuhören und Aussprechenlassen.

6.7.

Nach dieser konzentrierten Arbeit spielen wir türkische Bewegungsspiele unter Anleitung der Spezialisten
  • z.B. "Mendil Kapmaca" - Taschentuchfangen
    2 gleichgroße Gruppen werden durchnummeriert. Sie stehen sich in 10 Metern Entfernung gegenüber. Der Spielleiter hält zwischen den Gruppen ein Taschentuch in die Höhe und ruft eine Nummer. Beide Schüler mit dieser Nummer rennen los und versuchen, das Taschentuch in ihre Gruppe zu bringen, können auf dem Weg aber noch vom Gegenspieler gefangen werden und müssen dann in die andere Gruppe gehen. Gelingt das nicht, muss der Gegenspieler die Gruppe wechseln. Wenn alle Nummern einmal aufgerufen wurden, gewinnt die Gruppe mit den meisten Taschentüchern.
  • oder "Haciyatmaz" - Stehaufmännchen Die Schüler stehen im Kreis, in der Mitte hält ein Kind einen Stock senkrecht in der Hand. Es ruft einen Namen und lässt den Stock los. Das gerufene Kind muss den Stock fangen, bevor er den Boden berührt und darf dann den nächsten Schüler rufen. Gelingt das nicht, gibt es eine Aufgabe, wie einmal um den Kreis laufen oder wie ein Frosch quaken usw.
(vgl. Hofmann, Eva-Maria / Rodloff, Susanne; "Gespielt wird auf der ganzen Welt - Spiele aus allen Teilen der Erde für Kindergarten, Hort und Schule", 2002, Seelze, Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Seite 45 und Seite 82)

6.8. Ergebnissicherung

In der 3. Arbeitsphase wird das heutige Thema besprochen. Was haben die Schüler während des Vormittags erlebt, gemacht und empfunden? Dazu setzen wir uns in den Kreis. Durch Blitzlicht mit einem Sprechstein erhält jeder die Möglichkeit, seine Eindrücke und das, was ihm/ ihr wichtig war ungestört zu äußern. Vielleicht wird anschließend noch mal ein Blick in die gemeinsame Ausstellung geworfen. Es sollen Überlegungen angestellt werden, wie der Umgang miteinander in der Klasse zukünftig gestaltet werden kann.

6.9. gemeinsamer Tagesabschluß

Die Schüler räumen auf und packen ihre Sachen, danach wird noch einmal das gemeinsame Lied gesungen und es gibt die Aufforderung sich nach dieser intensiven gemeinsamen Arbeit von jedem Mitschüler, Mitschülerin mit Handschlag zu verabschieden. Königsmoschee im iranischen Isfahan, erbaut 1612/13 v. Schah Abbas (vgl. Edition XXL)

7. Literaturverzeichnis

- Knörzer, Wolfgang / Grass, Karl; "Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten", 5. Auflage, 2000, Weinheim und Basel, Beltz Verlag

- Kaiser, Astrid; "Praxisbuch handelnder Sachunterricht - Band 2", 5.Auflage, 2004, Baltmannsweiler, Schneider Verlag Hohengehren

- Rahmenrichtlinien für die Grundschule - Sachunterricht, 1982, Schroedel

- Erlass für die Arbeit in der Grundschule vom 03.02.2004

- Kirchberg, Ursula; "Selim und Susanne - Selim ile Susanne", 1982, München, Heinrich Ellermann Verlag

- Ommer, Uwe / Furlaud, Sophie / Verboud, Pierre; "Familien - Kinder aus aller Welt erzählen von zu Hause", 2003, Hamburg, GEO im Verlag Gruner + Jahr AG & Co KG.

- Both, Daniela / Bingel, Bela; "Was glaubst du denn - Eine spielerische Erlebnisreise für Kinder durch die Welt der Religionen", 2000, Münster, Ökotopia Verlag

- Zentner, Christian; "Religionen der Welt", 1999, Reichelsheim, Edition XXL GmbH

- Höfele, Hartmut / Steffe, Susanne; "In 80 Tönen um die Welt - Eine musikalisch-multikulturelle Erlebnisreise für Kinder mit Liedern, Tänzen, Spielen, Basteleien und Geschichten", 2000, Münster, Ökotopia Verlag

- Hofmann, Eva-Maria / Rodloff, Susanne; "Gespielt wird auf der ganzen Welt - Spiele aus allen Teilen der Erde für Kindergarten, Hort und Schule"