| |
Didaktische Analyse zum Thema: "Instrumentenbau aus Umweltmaterialien"
Zur Konzeption einer handlungsorientierten Sachunterrichtsdidaktik
Besonders der Sachunterricht bietet Möglichkeiten, die die Vermittlung von Handlungsfähigkeiten durch eigenständige Aneignung von Erfahrungen beinhaltet.
Es gilt besonders während der ersten Schulwochen danach zu fragen, welche spezifischen Erfahrungen und Fähigkeiten die SchülerInnen mitbringen, und welche spezifischen Handlungs- und Interaktionsprozesse der Unterrichtsinhalt "Instrumentenbau aus Umweltmaterialien" bietet.
Es geht uns bei unserem gewählten Thema nicht um den eigentlichen "Musikbegriff", vielmehr sollen Eigenschaften, Funktionen und Wirkungen von spezifischen Umweltgegenständen in den Vordergrund treten. Die SchülerInnen sollen die Möglichkeit bekommen ihre musikalische und geräuschvolle Umwelt verstehen zu lernen. Die geräuschvolle Umwelt der SchülerInnen wird sich ihnen nur dann aufschlüsseln, wenn ihnen die Eigenschaften, Funktionen und Wirkungen der jeweiligen Geräuschkulissen bewusst werden. Kinder verhalten sich gegenüber Umweltzreizen: lauschend, nachdenkend, ausprobierend, sich etwas ausdenkend und vor allem auch sehr neugierig. Die Fülle dieser Aktionen und Reaktionen entspringt der Fülle von Anreizen. Die Lehrkraft muss sie den SchülerInnen schaffen und ständig neu bieten - und ihnen helfen, die Eindrücke und Anreize zu verarbeiten. Die SchülerInnen sollen lernen, Hören und Sehen zu differenzieren, Gehörtes und Gesehenes sich bewusst zu machen, sich mit anderen darüber verständigen und Hörbares und Sichtbares im weitesten Sinne selbst herzustellen. Auf eine knappe Formel gebracht: Es geht uns um den Zusammenhang von Wahrnehmung und Aktion. Alle Aktivitäten die mit unserem Thema zusammenhängen, setzen an beim Selbersuchen und Selberfinden in einer Fülle von Umweltmaterialien. Wir haben uns unser Thema so ausgewählt, dass wir an bereits vorhandene Erfahrungen der SchülerInnen anknüpfen können, denn Bastelarbeiten haben seit der Kindergartenzeit großen Einfluss auf die Kinder. Lebhafte SchülerInnen werden ruhig, lernen sich zu konzentrieren und eine angefangene Arbeit zu Ende zu führen. Bei schüchternen Kindern kann ein eigenhändig angefertigtes Instrument das Selbstbewusstsein stärken, was besonders in den ersten Schulwochen sehr wichtig ist. Es ist jedoch zu beachten den Schwierigkeitsgrad der Bastelobjekte nicht zu hoch zu wählen, da vermieden werden soll, dass die SchülerInnen die Lust am Entwickeln und Konstruieren der Instrumente verlieren. Welches Instrument jedes Kind letztendlich herstellt, darf jeder selbst entscheiden, das Wichtigste ist der Spaß an der Arbeit. Spiel und Spaß ist unserer Meinung nach sehr wichtig für die Kinder, den nur so kann man ihnen Angst und Hemmungen nehmen, und ihnen ein angenehmes Gefühl in Bezug auf Schule vermitteln. Somit haben wir uns ein Thema ausgewählt, das den Möglichkeiten, die der Anfangsunterricht bietet, besonders entgegenkommt.
Besonderheiten des Instrumentariums
Die Besonderheit unserer Instrumente sehen wir darin, sie selbst planen, entwerfen, durchkonstruieren, herstellen, ausprobieren und spielen zu können.
Die SchülerInnen lernen hier mit allen Sinnen: sie sehen, sie fühlen und sie hören.
Somit sehen wir in der Entwicklung unseres Instrumentariums eine hilfreiche Erweiterung und farbige Ergänzung zum herkömmlich traditionellen Instrumentarium und Musikunterricht.
Die meisten unserer heutigen Orchesterinstrumente sind bereits so hoch entwickelt und perfektioniert, dass ein Laie Funktion und Bauweise nicht ohne weiteres durchschauen kann. Deshalb haben wir versucht eine akustische Vielfalt zu entwickelt und zusammenzustellen, mit dem die Grundprinzipien von Tonerzeugung und Spielweisen so klar wie möglich aufgezeigt werden können. Dabei ist der Schritt vom Grundmaterial zum Grundinstrument von wesentlicher methodischer Bedeutung, weil die wechselseitige Abhängigkeit zwischen einem Material, seinem ihm eigenen Klangeigenschaften und dem daraus entstandenen fertigen Grundinstrument besonders einsichtig und verständlich erfahren werden kann.
Unser akustischer Instrumentenkasten (betitelt mit: Töne, Klänge und Geräusche) ist somit nach den Prinzipien der Tonerzeugung in vier Instrumentengruppen
gegliedert:
- Blasinstrumente (Aerophone)
- Eigenklinger (Idiophone)
- Saiteninstrumente (Chordophone)
- Membran-, Fell- oder Trommelinstrumente (Membranorphone)
An diesem kleinen Instrumentarium können wir eine Reihe wichtiger Grundeigenschaften und Funktionen von Musikinstrumenten kennen lernen.
Die Eigenschaften (z.B. die Tonerzeugung) sowie die Funktionen dieser vier Instrumentengruppen sind in der Sachanalyse näher erläutert.
Zielsetzungen
Zu unserem Thema "Instrumentenbau aus Umweltmaterialien" haben wir uns folgende Ziele gesetzt, die unserer Meinung nach auch sehr wichtig für den Anfangsunterricht sind:
| - |
Das Gestalten eines eigenen Instrumentariums und von musikalischen Abläufen stellt ein Angebot dar gestörtes Verhalten und Erleben zu ändern und evtl. Ängste, die besonders in den ersten Schulwochen auftreten können, abzubauen. |
| - |
Weiterhin soll bei dem Gestalten der Instrumente und der musikalischen Abläufe in Gruppen das Sozialverhalten unter den Kindern gefördert werden. Die Schulung der Eigenaktivität sowie der dabei geforderten Kreativität, in der Einbringung des eigenen Beitrages als auch das gemeinsame aufeinander hören und den anderen gewähren bzw. ausspielen lassen sind hier wesentliche Elemente der Gruppenarbeit. Sie lässt die Kinder sensibel werden für die eigenen, aber auch für die Aktionen anderer. |
| - |
Beim Herstellen bzw. Konstruieren der Instrumente soll erreicht werden, dass die Konzentration, die Reaktion sowie die Aktion der Kinder gefördert wird. Außerdem wird die Feinmotorik (Geschicklichkeit und Behutsamkeit) und das ästhetische Empfinden geschult. |
| - |
Angestrebt wird außerdem die Kommunikation aller am Lernprozess beteiligen SchülerInnen über ihre Einstellungen und Erfahrungen mit dem Umweltschutz. Sie sollen erfahren und verstehen, warum sie Umweltmaterialien bzw. Haushaltsmüll für den Unterricht sammeln sollen. Die SchülerInnen sollen lernen, was Wiederverwertung für die Natur und die gesamte Menschheit bedeutet. |
| - |
Die Lehrkraft soll den SchülerInnen die Möglichkeit geben, über ihre musikalischen Aktivitäten und Erfahrungen zu sprechen. Den SchülerInnen soll ihre musikalische Umwelt bewusst gemacht werden, so dass sie verstehen lernen wie Töne, Geräusche und Klänge entstehen. Durch das entstandene Instrumentarium lernen die Kinder die Grundeigenschaften der Instrumente, nämlich die Tonerzeugung, kennen. |
| - |
Weiterhin gilt es gerade im Grundschulbereich, die Motivation der Kinder gegenüber der Musik nicht nur über kognitive Kanäle zu schaffen, sondern sie diese körperlich und emotional erfahren zu lassen. |
| - |
Die gemeinsame Entscheidung aller am Lernprozess Beteiligten über Ziel, Inhalt und Gestaltung des Unterrichtsvorgangs macht es für die Kinder leichter die Einzelthemen zu erfassen. |
Um diese Ziele alle erfüllen zu können, haben wir uns ein buntes Programm erarbeitet, welches in unserem "Heftchen" genau erläutert wird. Dieses "Heftchen" ist praktisch als Handbuch für die Lehrkraft gedacht. Die Lehrkraft sollte trotz all dieser Ziele nicht den allwissenden Menschen darstellen, sondern sich gemeinsam mit den Kindern auf Entdeckungsfahrt begeben.
Anregungen für das Instrumentarium
1. Umweltgeräusche
Anregungen für unser Instrumentarium findet man in sämtlichen akustischen Umwelterscheinungen. Kinder haben bereits schon Erfahrungen mit akustischen Erscheinungen gemacht, die sie später mit dem Instrumentenbau und -spiel in Zusammenhang bringen. Um die SchülerInnen in das Thema: "Instrumentenbau aus Umweltmaterialien" hinein zu führen, sollte man diesen Bereich im Unterricht besonders ausnutzen und den SchülerInnen die Möglichkeit geben über ihre eigenen Erfahrungen, die sie mit Geräuschen aller Art gemacht haben, zu sprechen. Erfahrungen mit Umweltgeräuschen können dann zu geplanten Musikinstrumenten und -spielen führen. So erhält man einen guten Einstieg in das Thema.
Wir haben drei Beispiele von Umweltgeräuschen herausgesucht, von denen eine Faszination für Kinder ausgeht:
| a) |
Fast jeder kennt das Geräusch, das beim Entlangratschen mit einem Stab an einem Lattenzaun entsteht. Kinder tun dies besonders gern auf dem Weg von der Schule nach Hause. Durch die stets etwas unterschiedlich dick oder lang ausfallenden Zaunlatten ist eine feine Auf- und Ab-Tonfolge zu hören. |
| b) |
Für Kinder geht eine Faszination von vorüberfahrenden Zügen aus. Dort, wo die Schienen nicht nahtlos verschweißt sind, kann man das Überfahren der Nahtstellen durch einen Zug besonders deutlich hören. Je nach Abstand der Radachsen ist eine rhythmische Tonfolge zu hören. Kinder ahmen den Rhythmus gern mit Sprechgesang nach, z.B. mit den Silben: sim, sim...sim, sim...sim, sim... |
| c) |
Dann sind natürlich auch alle Maschinen- und Motorengeräusche ein reichhaltiges Anregungsfeld, und sie werden im Kinderspiel auch häufig ausgenutzt, wenn etwa Autogeräusche mit dem Mund nachgeahmt werden oder ein Fahrrad im Hinterrad ein "Bierdeckelmotor" erhält. |
Der gesamte akustische Umweltbereich ist letztendlich eine unendlich große Fundgrube für musikalische und geräuschvolle Anregungen. Man kann jedes akustische Ereignis, ob es das Rauschen des Wassers, das Klackern von Schuhabsätzen oder das Quietschen einer Tür ist, in musikalische Prozesse (wie z.B. eine Klanggeschichte) einsetzen, wenn man gelernt hat, diese Geräusche als etwas Besonderes wahrzunehmen, sie einzufangen und für eine musikalische Aussage nutzbar zu machen.
2. Umweltmaterialien
Als ein weites und reiches Feld für musikalische Anregungen bieten sich sämtliche zur Verfügung sehenden "klingenden" Materialien an, vor allem diejenigen, die leicht und preiswert zu beschaffen sind. Haushaltsmüll aller Art besitzt oft durch besondere Formen einen besonders großen Anreiz zur weiteren Verwendung und Gestaltung. Besonders Schnupperecken für akustische Grundmaterialien sind Schrottplätze, Werkstätten aber vor allem auch der eigene Haushalt.
Gerade im Zeitalter von Umweltschutz und Wiederverwertung ist dies ein besonders aktueller Bezug. In speziellen Fällen kann ein Besuch in einem Musikladen oder bei einem Instrumentenbauer weiterhelfen. Dort fallen z.B. beim Neubezug eines Klaviers oder eines Saiteninstrumentes Saiten und Wirbel als Abfall an.
Anmerkung:
Zur Vertiefung des Themas lohnt es sich dies fächerübergreifend durchzuführen. Damit sämtliche Gestaltungsmaßnahmen Hand in Hand laufen, bieten sich folgende Fächer an: Sachunterricht, Musik, Kunst und Werken.
Sachanalyse zum Thema: "Töne, Klänge und Geräusche"
1. Was ist Schall?
Schall ist Energie, die von einem vibrierenden Gegenstand ausgeht. Vibrieren heißt: sich hin- und herbewegen. Diese Energie setzt Luftteilchen in Schwingungen. Dadurch entstehen Töne, Klänge und Geräusche, die wir hören. Also: Immer wenn ein Laut entsteht, vibriert irgendwo ein Gegenstand.
Wenn wir sprechen erzeugen wir Schall, indem unsere Stimmbänder vibrieren Die Luftteilchen werden zum Schwingen angeregt. Wenn man die Hand ganz dicht vor den Mund hält, kann man spüren, wie sich die Luft bewegt. Die in Schwingungen versetzten Luftteilchen breiten sich wie Wasserwellen in einer Pfütze nach allen Seiten aus. Aber damit der Laut oder der Schall sich überhaupt fortbewegen kann, braucht er etwas, was ihn von seiner Quelle bis an unser Ohr bringt. Er benötigt einen Schallleiter, auch "Medium" genannt.
Medium ist lateinisch und heißt "Mittler". Das Medium kann so gut wie alle sein - Gegenstände, Luft und Wasser, sogar die Erde. (Die Indianer pflegten ihr Ohr an die Erde zu legen, wenn sie entfernte Geräusche hören sollten. Also: Ohne Medium gibt es keinen Laut.
Da das Medium, das den Schall weiter trägt, verschieden sein kann - Holz, Luft, Wasser, Erde, Mauerwände usw. -, reist der Schall mit verschiedenen Geschwindigkeiten.
Wenn also gefragt wird: Wie schnell ist der Schall?, müssen wir erst wissen: Wer trägt ihn fort?
In der Luft beträgt die Schallgeschwindigkeit" etwa 330 Meter in der Sekunde, aber nur bei einer Temperatur von Null Grad Celsius. In wärmerer Luft erhöht sich die Schallgeschwindigkeit. Wasser trägt den Schall schneller fort als die Luft; es befördert den Schall 1407 Meter in der Sekunde. Stahl trägt ihn noch etwa 3 ½-mal schneller fort.
2. Zum Thema: "Töne"
Alle Laute und Töne entstehen durch Vibration.
Frage: Wie kommt es, dass wir den einen Laut nur als Geräusch empfinden, andere Laute aber als schön oder als Musik?
Antwort: Es hängt davon ab, wie der lautgebende Gegenstand vibriert. Wenn die Vibration gleichmäßig ist, das heißt, wenn die entstehenden Schallwellen vollkommen gleichmäßig sind, hören wir einen musikalischen Ton. Ist die Vibration ungleichmäßig oder sehr heftig, empfingen wir den Schall als Geräusch.
Drei Unterscheidungsmerkmale von Tönen:
| 1. |
Töne unterscheiden sich auf vielfache Weise. Wir erkennen zum Beispiel, ob ein Ton aus der Nähe oder von weither kommt, ob er laut oder leise ist. |
| 2. |
Wir unterscheiden Töne, die hoch und schrill sind, von solchen, die tief und dunkel sind. |
| 3. |
Wir können die Töne eines Musikinstrumentes von denen eines anderen Instrumentes unterscheiden. |
Diese drei Unterscheidungsmerkmale von Tönen bezeichnet man als Tönstärke, Tönhöhe und Tonqualität.
| Tonstärke: |
Die Tonstärke hängt von zweierlei ab: von der Entfernung zum Ohr und davon, wie weit der vibrierende Gegenstand nach beiden Seiten ausschwingt. (Man nennt das die "Amplitude") |
| Tonhöhe: |
Die Tonhöhe hängt ab von der Anzahl der Schwingungen innerhalb einer Zeiteinheit; sie wird "Frequenz" genannt. Je mehr Schwingungen unser Ohr innerhalb einer Sekunde erreichen, desto höher ist der Ton. |
| Tonqualität: |
Die Qualität der Klangfarbe eines Tones hängt von der Verteilung und Stärke der Obertöne, die im Ton enthalten sind. Obertöne oder "harmonische Töne" entstehen, weil der vibrierende Körper nicht nur den Grundton hervorbringt; er schwingt als Ganzes und gleichzeitig in einzelnen Teilen, und zwar bei jedem Instrument auf andere Weise. Die Teilschwingungen rufen die helleren Obertöne hervor. Die Obertöne machen die Klangfarbe eines Tones aus. Je mehr Obertöne gehört werden, desto reicher und voller erscheint der Klang. So klingt z.B. ein kleines Radio dünn, weil es nur ein schmales Frequenzband hat und somit viele Obertöne auslässt. |
3. Zum Thema: Geräusch
Die Schallaufzeichnungen eines Geräusches sind nicht einheitlich harmonisch wie beim Ton, sondern sehr unregelmäßig. Die Schallwellen schwingen unterschiedlich, und dadurch ist bei einem Geräusch keine Grundfrequenz zu erkennen. Wir empfinden es als störend oder unangenehm. Starke oder länger anhaltende unangenehme Geräusche empfindet das menschliche Ohr als Lärm, wie z.B. den Start eines
Düsenflugzeugs.
4. Zum Thema: Klang
Wenn wir zwei oder mehrere Töne gleichzeitig hervorbringen, die sich angenehm anhören, erzielen wir einen angenehmen Klang. Man spricht von einer "Harmonie". Ist der Klang jedoch unangenehm sprechen wir von einem Missklang oder
"Dissonanz".
5. Zum Thema: Wir hören wir Töne, Klänge und Geräusche?
Frage: Wie kommt es, dass wir Schwingungen eines vibrierenden Gegenstandes hören können, es berührt doch nicht direkt unser Ohr?
Antwort: Zwischen dem vibrierenden Gegenstand und unserem Ohr befindet sich Luft, uns sie trägt den durch die Schwingungen erzeugten Schall an unser Ohr. Die Ohrmuschel fängt diese Schwingungen auf. Durch den Gehörgang gelangen die Schwingungen zum Trommelfell. Dieses gespannte Häutchen beginnt dadurch selbst zu schwingen. Es leitet die Schwingung zum inneren Ohr weiter, wo in der Schnecke die Gehörnerven liegen. Sobald sie dort angekommen ist, können wir die Schwingungen hören. Sie wird nämlich von den Nerven blitzschnell an das Gehirn weitergeleitet. Dort wird sofort unterschieden, ob es sich bei der Schwingung um Sprache, Musik oder ein Geräusch handelt. Das menschliche Ohr nimmt nur bestimmte Schwingungen auf. Viele Tiere können Töne hören, die für unser Gehör viel zu hoch sind, wie z.B. die Fledermaus.
Das Instrumentarium
Erläuterung der Tonerzeugung anhand der vier Instrumentengruppen
1. Blasinstrumente (Aerophone)
Der Ton wird durch die schwingende Luftsäule erzeugt. Eine Luftsäule kann auf unterschiedliche Arten in Schwingungen versetzt werden. Nach den Anblastechniken unterscheiden wir mehrere Gruppen von Blasinstrumenten.
Familien:
Flöteninstrumente
Grundinformation: Der Ton wird erzeugt, indem ein Luftstrom gegen eine scharfe Kante geblasen wird, wo er sich periodisch bricht. Der Luftstrom sollte senkrecht auf die Kante treffen. Die Luftsäule des Instrumentes wird dadurch zum Schwingen angeregt.
Verändern der Klangfarbe: Durch Verändern des Verhältnisses von Länge zur Weite des Rohres, tritt eine Veränderung der Klangfarbe ein. Je enger das Rohr, umso schärfer und obertonreicher der Ton, und je weiter das Rohr, umso weicher und obertonärmer der Ton (gleiche Rohrlänge vorausgesetzt).
Stimmen der Flöten:
| - |
durch die Rohrlänge, bzw. durch die Gefäßgröße. Je länger das Rohr und je größer das Gefäß, umso tiefer der Ton und umgekehrt. |
| - |
durch den Abstand der Grifflöcher vom Rohrende. Je näher das Griffloch am Rohrende, desto tiefer der Ton, und je näher das Griffloch am Labium, desto höher der Ton. Bei Gefäßflöten ist es gleich, an welcher Stelle die Grifflöcher eingebohrt sind. |
| - |
durch Verändern der Grifflochgröße. Je größer das Loch, umso höher der Ton.
Rohrblattinstrumente |
Grundinformation: Der Ton wird durch in Schwingungen versetzte Zungen (Rohrblätter) erzeugt. Es gibt Instrumente mit einfachem Rohrblatt (z.B. Klarinette) und mit doppeltem Rohrblatt (z.B. Oboe). Je dünner das Rohrblatt geschliffen ist, desto leichter bläst sich das Instrument.
Freie Aerophone
Grundinformation: Die Luftsäule ist nicht durch Röhren oder Gefäße begrenzt.
Beispiel: Scharfkantiges Gras (Papier- oder Folienstreifen) wird zwischen Daumen und Daumenballen beider Hände gespannt und durch den entstehenden Spalt angeblasen. Es entstehen Fiepergeräusche.
Verändern der Klangfarbe: Die Fiepergeräusche können durch Verändern der Handstellung in ihrer Klangfarbe verändert werden.
Kesselmundstückinstrumente (Trompeteninstrumente)
Grundinformation: Der Ton wird durch die vibrierenden Lippen des Spielers erzeugt. Diesen Ton nennt man "Naturton". Kesselmundstücke erleichtern die Tonerzeugung. Je länger das Rohr ist, desto mehr Naturtöne lassen sich durch unterschiedliche Lippenspannung erzeugen. Als Regel kann gelten, dass enge und tiefe Mundstücke die Ansprache der hohen Töne erleichtern und weite flache die der tieferen Töne. Kesselmundstücke lassen sich in vielen verschiedenen Variationen kaufen.
Verändern der Tonhöhe:
| - |
durch Verändern der Lippenspannung und der Stärke des Luftstromes, je schärfer der Luftstrom und je straffer die Lippenspannung, um so höher der Naturton; |
| - |
durch Verlängern oder Verkürzen des Rohres, je länger das Rohr, um so tiefer der Ton; |
| - |
durch zusätzliche Grifflöcher im Rohr, damit lassen sich Zwischentöne zwischen den Naturtönen erzeugen. |
Verändern der Klangfarbe:
| - |
durch verschieden geformte Stürzen (=Schalltrichter): bei einem sich schnell öffnenden Trichter entsteht ein verhältnismäßig scharfer Ton, bei einem sich langsam öffnenden Trichter ein weicher, hornartiger Ton und bei einem Hohlkörper ein hohl und gedämpft klingender Ton; |
| - |
durch Mirilitonlöcher, die durch feine Membranen verschlossen werden
Stimmen der Instrumente: |
| - |
durch Verlängern oder Verkürzen des Rohres, |
| - |
durch Vergrößern oder Verkleinern der Grifflöcher. Je größer ein Loch, umso höher der Ton. |
2. Instrumente aus selbstklingenden Materialien (Idiophone)
Grundinformation: Zu den Eigenklingern gehören Instrumente, deren Klangmaterial ohne Verwendung von angeblasenen Luftsäulen, Membranen, Saiten u. a. in Schwingungen versetzt wird und vernehmbar klingt. Wir zählen dazu eine Reihe unterschiedlicher Instrumentenfamilien.
Familien: Klingende Steine und klingende Gläser, klingende Hölzer, klingende Metalle, Glocken, Metallfolie, Bleche, Gongs; Rasselinstrumente, Stampf- und Aufschlaginstrumente, Ratschinstrumente usw.
3. Saiteninstrumente (Chordophone)
Grundinformation: Der Ton wird durch eine schwingende Saite erzeugt. Ein Resonanzkörper (Resonanzraum) verstärkt in der Regel den Ton. Nach der Lage der Saiten zum Resonanzkörper unterscheiden wir mehrere Familien.
Stimmen einer Saite:
- durch Spannen der Saite; je straffer die Saite, desto höher der Ton
- durch Kürzen der Saite, je kürzer die Saite, desto höher der Ton, gleiche Spannung vorausgesetzt
Verändern der Klangfarbe:
- durch unterschiedliche Materialien der Saiten (Metall, Darm),
- durch unterschiedliche Materialien der Resonanzböden (Holz, Metall, Fell),
- durch zusätzliche Klangfärber wie Schnarren
Spielweisen: Saiten kann man auf vielfältige Weise zum Klingen bringen, durch streichen, schlagen, zupfen, anreißen, reiben. Außerdem kann man den Resonanzkörper noch zusätzlich als Instrument verwenden durch trommeln, klopfen.
Familien
Harfen: Die gespannten Saiten werden mit einem Ende direkt im Resonanzkörper befestigt, so dass sie senkrecht auf dem Resonanzkörper stehen.
Lauten: Die gespannten Saiten laufen parallel zur Decke eines Resonanzkörpers und stehen mit diesem durch Stege in Verbindung.
Musikbögen und Zithern: Über elastisch biegsame Bögen werden Saiten gespannt (vgl. einen Flitzebogen), oder die Saiten werden über die Öffnung eines schalenförmigen Körpers gespannt. Ein Musikbogen benötigt zusätzlich einen resonanzverstärkenden Raum (Gefäß, Mundraum).
4. Fell-, Membran oder Trommelinstrumente (Membranophone)
Grundinformation: Zu dieser Gruppe gehören alle Instrumente, bei denen eine Membran in Schwingung versetzt und den Ton in Verbindung mit einem mehr oder weniger geschlossenen Luftraum (Schallkörper oder Resonanzraum) erzeugt. Die Membranen werden straff über die Schallkörper gespannt. Die Schallkörper können bis zu einem Spannrahmen vereinfacht sein.
Stimmen einer Trommel:
| - |
durch Spannen des Trommelfelles, je straffer das Fell um so höher der Ton |
| - |
durch Verlängern des Trommelkörpers, je länger die Trommelröhre um so tiefer der Ton, je größer der Durchmesser einer Röhre um so voller der Ton, gleiche Längen der Röhren vorausgesetzt |
| - |
durch Auftragen einer Trommelpaste auf die Fellmitte, durch die Paste wird die Mitte dicker und schwerer und die Membran schwingt langsamer; damit klingt sie auch tiefer; als Trommelpaste eignet sich Knetgummi, Fensterkitt, Kaugummi und Plastilin
Verändern der Klangfarben: |
| - |
durch Schnarrsaiten; Das sind Darm- und Metallsaiten, die unter oder über die Membran gespannt werden. |
| - |
Durch eine Schnarre. Das ist ein u-förmig gebogener und in sich gedrehter Draht mit darüber gestülpten Metallhülsen. Dieser Metallbügel wird im Trommelkörper befestigt. |
| - |
Durch ein oder mehrere Mirlitonlöcher. Das sind Löcher im Trommelkörper, über die feine Folien (Pergament-, Zellophanpapier) gespannt werden. |
| - |
Durch Bestreuen und Belegen des Trommelfelles mit Gegenständen wie trockenen Erbsen, Steinchen, Granulaten, Sand, Filz, Tüchern, Händen. |
Spielweisen: Neben den vielfältigen Schlagmöglichkeiten auf einer Trommel (mit Händen, Schlägeln, Besen... in der Mitte, auf dem Rand des Trommelfelles...) lassen sich noch viele Spielweisen finden wie z.B. kratzen, schaben, reiben, wischen, scharren.
Familien: Rahmentrommel (Tambourins); Röhrentrommel; Kesseltrommel (Pauken); Zwei- oder mehrfellige Trommeln; Reibtrommel; Mirlitoninstrumente (Kazuos)
nach oben
Weitere Quellen zum Thema in Schulbüchern
| Titel |
Schulbuch |
| Musikinstrumente |
Unsere Sache 3 Schreier, Helmut Schöningh Paderborn 1980 |
nach oben
Weitere Quellen zum Thema (Karteien)
| Klang- & Musikinstrumente-Kartei. Eltern -Lehrer - Schüler - Einheit. Pädagogik-Kooperative e.V., Goebenstr.8, 28209 Bremen |
nach oben
|