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Thema: Räusenfischerei
· 1. Einleitung
· 2. Die Bedingungen der Reuse und die Reusenarten


1. Einleitung

1.1 Einführung
Definition: Fischreusen sind Fanggeräte, deren Eingang sich durch trichterförmige Kehlen nach innen verengt und in eine Fangkammer mündet. Die Fische können durch Kehlen in die Fangkammer gelangen, aber nicht wieder hinaus.

Der Name "Reuse" stammt ursprünglich von dem Wort "Reis" oder "Reisig" ab. Die ersten Reusenformen waren aus Reisig gefertigt.
Früher hatten die reusenartigen Fischfanggeräte, je nachdem, aus welcher Region sie kamen, verschiedene Namen. Auch die zu fangende Fischart spielte dabei eine Rolle wie z.B.:
- Brandenburger Hechtsack, Pommersche Fischreuse, Dänische Aalreuse
- Aalreuse, Schleireuse, Hechtsack
- Kegelreuse, Mittelreuse, Korbreuse

1.2 Geschichte
Reusenartige Fanggeräte zählen zu den ältesten Fischfanggeräten. Die frühsten Belege für Fischfang mit Hilfe von Reusen und Netzen kennt man aus der Mittelsteinzeit (etwas 8000 bis 5000 v. Chr.). Solche Funde wurden in Dänemark (in Nidlöse) und Deutschland (in Pristmoor bei Duvensee und Schlüsbeck bei Kiel, beide in Schleswig-Holstein) entdeckt.
Das Material kam vermutlich von Baustämmen. Sie bestanden aus langen Gerten, die mit aufgeschlitzten Zweigen quer durchflochten waren. Diese Funde stammen aus der Zeit zwischen 7000 und 6000 v. Chr.
Die älteste Darstellung einer Fischreuse wurde vor mehr als 6000 v. Chr. in ein Knochengerät geritzt, das man aus dem Fluss Terave bei Groß Rönnau (Kreis Segedorf in Schleswig-Holstein) barg. Das Motiv zeigt einen sanduhrförmigen Reusentyp.
Mit dem Erwerb von Fähigkeiten, durch Flechtarbeiten mit Zweigen der Weiden und Wurzelmaterial Fischzäune und Fischkörbe herzustellen, begann das Zeitalter der Reusen.
Im alten Ägypten sind altsteinzeitliche Felszeichnungen als Großreusen gedeutet worden, doch ist dies ziemlich ungewiss.
Häufiger als in Felszeichnungen sind Reusen in den Reliefs und Wandmalereien der Gräber aus dem Alten Reich dargestellt. Diese Geräte waren wohl aus Reet geflochten. Es waren relativ schlanke, trichterförmige Korbreusen von recht unterschiedlicher Größe und Form.
Die innere Konstruktion der Reusen ist nicht zu erkennen. Da die Reusen aber nach hinten geöffnet und ausgeschüttet wurden, haben sie mindestens eine Kehle (eine Art Trichter, der sich in der Fangkammer befindet) gehabt, um die eingedrungenen Fische am Entweichen zu hindern. Hinten wurden die Reusen durch Stopfen aus Stroh oder anderem Material verschlossen oder einfach nur zugebunden.

Die Reusen wurden einzeln oder in Gruppen ausgelegt. Über die Verankerung ist wenig bekannt. Heute bestehen Reusen mit der Ausnahme von Aal- und Krebskörben nur noch aus Netzmaterial.

1.3 Fangtechnologie
Reusen sind gewissermaßen Fischfallen. Die Fische können in Reusen gefangen werden, ohne dass sich das Fanggerät selbst bewegt.
Dem Fisch wird durch einen schmalen Eingang Zutritt zu einer Fangkammer gegeben, aus der er nicht oder nur schwer entweichen kann.
Reusen sind kegelförmige Gebilde aus Netzmaterial, eine Art Netzschlauch. Sie sind mit nur einem Eingang versehen. Ausnahmen bilden Bungen und Eingänge der Mittelreusen von Aalkorbketten, die zwei Eingänge aufweisen.
Reusen werden in der Regel durch Bügel (große Ringe) oder auch Spannleinen offen gehalten. Mit Ausnahme bei Bungen nimmt der Reusenumfang zum Ende hin ab. Auch die Öffnungen der Reusenkehlen werden zum Ende immer kleiner und schmaler.

Die Hauptbestandteile eines Reusenkörpers sind Eingang (Einlauf) und Rumpf. Im Reusenkörper selbst befinden sich Fangkammern. Je nach ihrer Größe haben Reusen 2 bis 5 Fangkammern.

1.4 Vor- und Nachteile von Reusenfischerei
Vorteile
Die Vorteile des Fischfangs mit Reusen lassen sich wie folgt zusammenstellen:
- Mit Reusen können fast alle Fischarten lebend und schonend gefangen werden.
- Die gefangenen Fische aus Reusen eignen sich gut für eine Lebendfischhaltung.
- Untermäßig gefangene Fische können schonend ins Wasser zurückgesetzt werden.
- Reusen eignen sich gut, um eine größere Menge von abwandernden Aalen abzufangen.
- Die Fische werden in ihrer Laichablage nicht gestört.
- Die Fischnährtiere können sich trotz des Fanges von Fischen gut entwickeln.
- Die Fische wachsen besser ab, weil sie in Ruhe ihre Nahrung aufnehmen können, sie befinden sich nicht wie bei der Zugnetz-Fischerei ständig auf der Flucht.
- Die Betreuung der Reusen erfordert nur wenige Arbeitskräfte.
- In der Laichzeit der Fische lassen sich sehr gut überalterte Fische heraus fangen, insbesondere Hechte, Zander, Welse.


Nachteile
Die Reusenfischerei hat aber auch nachteilige Eigenschaften:
Reusen sind gegen Fischdiebstahl nicht gesichert.
Sie benötigen viel Zeit für ihre Herstellung, der Materialeinsatz ist im Verhältnis zu Stellnetzen recht hoch.
Die Instandhaltung, Pflege und Lagerung nehmen viel Zeit bzw. Platz in Anspruch.
Bei längerem Gebrauch im Gewässer treten zusätzliche Probleme für eine spätere Pflege auf, wie durch den Bewuchs von Algen und Süßwasserschwamm.
Aus der Sicht des Naturschutzes sind Reusen schädlich für geschützte Wassertiere, da sich in ihr tauchende Wasservögel, laichende Frösche (Kröten) und auch Fischotter verfangen können.

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2. Die Bedingungen der Reuse und die Reusenarten

2.1 Die gesetzlichen Reusenbedingungen und die günstige Benutzung der Reusen
Im Folgenden möchte ich über die Reuse allgemein mit ihren gesetzlichen Bedingungen und über die Reusenarten etwas sagen.
Die Hauptbestandteile eines Reusenkörpers sind der Eingang und der Rumpf. Im Reusenkörper befinden sich die Fangkammern. Es gibt aber auch andere Reusen, z.b. Reusen mit nur einer Fangkammer oder mit zwei Eingängen.
Die grundsätzlichen Bedingungen sind in den Fischereiverordnungen der einzelnen Bundesländer gesetzlich geregelt.
Eine Reuse sollte stabil gearbeitet sein, so dass sie nicht so schnell kaputt gehen kann. Am vorteilhaftesten sind Reusen zu benutzen, die aus Rundeisen gebaut wurden, die sogenannten Bügelreusen. Diese Reusen werden durch das Rundeisen, also die Reusenbügel, offengehalten. Entweder haben die Rundeisen eine halbrunde Form, oder sie sind mit Scheuerschutzkerben versehen, damit die Reusen einen sicheren Bodenhalt haben.
Die Anzahl der Bügel richtet sich nach der Anzahl der Reusenkehlen. Eine Bunge (sh. 2.3.1 Ziff. 1a) hat im Regelfall drei Bügel. Größere Reusen haben vor dem Eingang ein Vorfach oder einen Schwalg, um die Stelltiefe zu erhöhen oder das Gewicht zu reduzieren.
Bei dieser Art von Reusen muss man allerdings aufpassen, dass sich die Fische am Eisen nicht verletzen können.
Bügellose Reusen haben den Vorteil gegenüber den Bügelreusen, dass man die Metallbügel einsparen kann, man eine bessere Handhabung bei der Pflege hat und die Fische sich nicht so leicht verletzen können.
Des weiteren sollten die Fangkörbe über eine ausreichende Größe verfügen, damit sich die Fische nicht verletzen und untermäßige (z. B. Jungfische), nicht gewünschte oder zu schonende Fische wieder zurückgesetzt werden können.

Auch sollte darauf geachtet werden, dass man die Fanggeräte so auswählt, dass eine effektive Entnahme der gewünschten Fischarten bzw. Fischgrößen möglich ist. Am günstigsten ist es, wenn der Angler sich eine Reuse kauft, die leicht zu bedienen ist, damit man möglichen Unfällen vorbeugen kann.
Die Gewässergröße bestimmt die Anzahl und die Größe der zu benutzenden Fanggeräte. Dabei muss man aber auch auf die Gewässertiefe achten, die u. a. die Höhe der Fanggeräte bestimmt.
Reusen benutzt man oft an langgestreckten Uferzonen, da hier in der Regel der Grund eher eben ist. Hat man nun einen geeigneten Platz gefunden, muss man an die Reuse einen weißen Schwimmer anbringen, an dem eine weiße Fahne befestigt ist. Dabei muss man aufpassen, dass sich das Fähnchen mindestens 30 cm über der Wasseroberfläche befindet. Dieses erfolgt aus dem Grunde, weil man so andere Personen auf eine Reuse unter dem Wasser hinweisen kann und sie sich nicht verletzen. Außerdem ist es so besser möglich, seine Reuse wiederzufinden.
Z. B. am Boden-/Obersee dürfen die Reusenbügel nicht höher und nicht breiter als 60 cm sein. Außerdem darf die Länge des Leitgarns höchstens 6 Meter und die Länge der Seitenflügel maximal 3 Meter pro Reuse betragen.
Des weiteren darf man keine Reusen aus Draht verwenden (wie oben schon genannt aus Gründen der Verletzungsgefahr).

2.2 Die Fangzeiten
Im weiteren Verlauf wird etwas zu den Fangzeiten in den einzelnen Jahreszeiten geschrieben.

2.2.1 Der Frühling
Im Frühjahr ist die Chance besonders groß, Massenfänge zu bekommen. Im Frühling beginnen die meisten Fischarten zu laichen und bevölkern dadurch Flüsse und Seen. Außerdem fängt man auch überalterte Fische und Aale, die diesem Laich nachstellen.

2.2.2 Der Sommer
Der Sommer ist weniger für die Reusenfischerei geeignet. Die Fische stehen ruhig im Gewässer und bewegen sich kaum, so dass auch nicht sehr viele Fische in die Reuse schwimmen werden.
Außerdem ist der Pflegeaufwand zu dieser Zeit sehr groß, da in den Gewässern im Sommer ein starker Algen- und Süßwasserschwamm zu finden ist.
Des weiteren sterben auch viele Fische in den Reusen, weil im Wasser Sauerstoffmangel mit Bildung von Schwefelwasserstoff zu finden ist. Aus diesen Gründen muss die Reuse auch täglich kontrolliert und gesäubert werden.

2.2.3 Der Herbst
Im Herbst wiederum ist die Reusenfischerei wieder günstig, da man vor allen Dingen abwandernde Aale, aber auch andere Fischarten, fangen kann.

2.2.4 Der Winter
Im Winter kann man die Reuse sehr gut einsetzen, wenn in dem Gewässer ein hoher Quappenbestand auftritt, denn die Monate Dezember bis März sind die Laichmonate dieser Fischart. Mit Reusen kann man also fast alle Fischarten fangen, wobei Aale und Weißfische während der Laichzeit aber bevorzugt gefangen werden.

2.3 Die Reusenarten
Ich komme nun zu den verschiedenen Arten der Reusen.
Dabei muss man zwischen den beiden Grundtypen "Zylinderform" und "Kegelform" und den vier Hauptarten "Trommelreuse, Kegelreuse, Korbreuse, und Kastenform bzw. offene Form" unterscheiden.

2.3.1 Zylinderform:
1. Trommelreuse (meist mit 2 Eingängen):
a) Definition: Bunge
Die Bunge hat einen oder zwei Eingänge. Manche dieser Art besitzen Flügel und andere wiederum nicht. Des weiteren hat sie zwei gegenüberstehende Kehlen mit drei Reusenbügeln, die sie offen halten. Entweder werden zusätzlich noch zwei Spreizstöcke zum Offenhalten gespannt, oder sie wird mit zwei bis vier Reusenpfählen aufgestellt, wenn sie Flügel hat. Man sollte auch darauf achten, dass die geschnittene Schneise über das Doppelte der Länge der Bunge beträgt.
- einfache Bunge:
- Bunge mit zwei Flügeln:
- Bunge mit vier Flügeln:
b) Definition: Aalkette oder auch Aalkorbkette
Hierbei werden mehrere Reusenkörper aneinander zu einer Kette gehängt. Am Anfang und am Ende dieser Kette muss jeweils ein Anker befestigt sein, der jeweils durch eine Boje markiert wird. Gründe dafür sind, wie oben beschrieben, dass die Reuse wiederzufinden ist, und dass sich niemand daran verletzt.
Außerdem besitzt die Aalkette einen Ausschüttbeutel, um ein leichtes Entleeren zu ermöglichen. Die Länge des Vorstellnetzes beträgt bei Aalketten je nach Einsatzort und Größe der Kette drei bis acht Meter.
Die Reuse hat einen kleinen Eingang, damit die Aale aus diesem nicht wieder hinauskommen können. Sie ist zudem noch im Inneren abgedunkelt, weil die Aale sich immer kleine Schlupfwinkel suchen, wo sie sich verstecken können.
- Aalkette mit Bojen und Flagge:


c) Definition: Krebskörbe
Der Krebskorb fällt unter die Rückfangreusen, an denen die Flügel kastenartig sind. Der Rückfang soll die Fische immer wieder in den Hauptsack leiten. Die Rückfangreusen sind die am häufigsten eingesetzten Reusen in Nord-Ost-Deutschland.
Den Krebskorb nennt man auch Korbreuse, weil er einen recht kurzen Korb besitzt. Er hat zwei Eingänge und eine trichterförmige Kehle. Am oberen Teil besitzt er einen kleinen Verschluss, aus dem man die Krebse herausholen kann.
Außerdem enthält der Korb noch ein extra verschließbares Köderkörbchen. Der Vorteil dieses Köderkörbchens ist, dass der Köder nicht aufgefressen wird und immer fanglockend bleibt. Dieses Körbchen hält dadurch die gefangenen Krebse weiterhin in der Reuse. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass der Köder immer frisch ist.
Wird der Korb ausgesetzt, dann muss man seine Lage mit einem Stück Garn und einem Schwimmer kennzeichnen. Der Korb wird vor Sonnenuntergang gestellt und vor Tagesgrauen geleert, damit die Tiere den Ausgang nicht finden.
Die gefangenen Krebse müssen später lebend in den Handel gebracht werden, da tote Krebse giftig sind. Die Fangzeiten sind von April bis Anfang Juni, und dann nach der Häutung im August noch einmal.
Aal- und Krebsreusen gehören allerdings auch zu den Korbreusen.

2.3.2 Kegelform:
1. Definition: Kegelreuse: (meistens einen Eingang und hat eine Kegelform)
a) Definition: Einfacher Bocksack
Dieser Bocksack besitzt zwei Kehlen, fünf Reusenbügel und vor dem Eingang ist ein Leitnetz befestigt. Der Reusenkörper steht zum tieferen Wasser und zur Uferlinie in einem rechten Winkel. Auch diese Reuse kann in einer krautreicheren Uferzone eingesetzt werden.
einfacher Bocksack:

- doppelter Bocksack:


b) Definition: Flügelsack, Grabensack:
Diese Reuse hat einen Reusenkörper mit zwei Flügeln und ein Vorstellnetz.
Das Vorstellnetz und ein Teil der Flügel befinden sich beim Aufstellen im Gelege. Der Reusenkörper liegt dabei nahe am freien Wasser.


c) Definition: Kossack
Der Kossack ist ein Flügelsack mit einem Reusenkörper und je zwei Kehlen. Der Reusenkörper, also der Hauptsack, steht zum tieferen Wasser. Die Reuse kann aber auch an krautreichen Scharkanten stehen. Zum Aufstellen braucht man in der Regel vier Reusenstangen.



d) Definition: Dreisack
Der Dreisack gehört auch zu den Rückfangreusen. Die Rückfänge bilden im ersten Bügel einen kehlartigen Einlauf. Der Dreisack wird nur noch sehr wenig eingesetzt, weil der Materialeinsatz zu hoch ist, und man auch mit anderen Reusen den gleichen Fangeffekt bekommen kann.


e) Definition: Rückfangsack
Er gehört ebenfalls zu den Rückfangreusen und ist vom Aufbau ähnlich wie der Dreisack. Allerdings ist er bei einer Wassertiefe bis zu zwei Meter einsetzbar und hat zwei oder drei Kehlen. Die Oberdecke dient dazu, die Schwankungen des Wasserspiegels auszugleichen.


f) Definition: Spannsack
Der Spannsack gehört auch zu den Rückfangreusen. Er besitzt allerdings vor dem Reusenkörper noch zusätzlich einen Netzschlauch. Die Querleine, die am Eingang des Netzschlauches befestigt ist, nennt man "Spann". Der Netzschlauch wird mit vier von diesen Querleinen offengehalten. Diese Reuse ist bei einer Wassertiefe bis zu fünf Metern einsetzbar.

g) Definition: Kastensack mit und ohne Vorhof
Diese Reuse ist, wie der Name schon sagt, kastenförmig gebaut und hat oben eine Öffnung. Der Kastensack wird mit Pfählen oder Ankern aufgestellt und wird hauptsächlich in tieferen Gewässern benutzt.

2. Definition: Kasten-, offene Form:
Diese Reusen werden auch "Kummreusen" genannt. Sie haben auch eine Kegelform, weil die Fangkammern und die Kehlen nach hinten immer kleiner werden. Kummreusen können mit Pfählen oder mit Ankern aufgestellt werden. Man stellt sie in allen Bodden- und Haffgewässern und an den Außenstränden der Ostsee auf und fängt damit vor allen Dingen Heringe, Blankaale, Dorsche und Dornhechte. Zum Heben dieser Reusen werden mindestens zwei Boote benötigt.

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Warum platzen Flaschen beim Gefrieren?

Im Alltag erfahren wir häufig, dass Stoffe sich beim Erwärmen ausdehnen und beim Erkalten zusammenziehen. Beispiel Baumaterialien: Brücken oder Fliesenböden werden wegen der bekannten Wärmeausdehnung mit Dehnungs-Fugen ausgestattet.
Beispiel Metalle: Bei Aluminiumfenstern oder -türen macht sich die temperaturbedingte Veränderung meist durch Klemmen oder schlechtes Schließen bemerkbar.
Beispiel Luft: Die Luft in einem Riefen dehnt sich an heißen Sommertagen aus und damit nimmt der Reifendruck zu. Im Winter dagegen zieht sie sich zusammen, weshalb man zu Beginn der kühleren Jahreszeit den Reifendruck überprüfen sollte. In Thermoskannen eingeschlossenen Luft zeigt beim Abkühlen den gleichen Effekt. Sie zieht sich zusammen, wodurch in der Kanne ein Unterdruck entsteht, der das Öffnen erheblich erschweren kann.
Wasser zeigt jedoch bei Erkalten ein merkwürdiges Verhalten, das im Winter sogar sehr lästig sein kann: Wasserrohre können platzen, wenn Wasser in ihnen gefriert und Straßen werden durch gefrierendes Wasser, das den Asphalt aufbricht, beschädigt.

Um dieses Phänomen erklären zu können, muss man Wasser in seinem festen und flüssigen Aggregatzustand genauer betrachten, da bei dem oben genannten Problem Wasser zu Eis gefriert und sich dabei - entgegen unserer Alltagserfahrung mit anderen Stoffen - ausdehnt.
Das Teilchenmodell der Materie beschreibt den festen Zustand als eine geordnete Zusammenlagerung, bei der die Teilchen feste Plätze in einer Anordnung annehmen und ein geringer Abstand zwischen ihnen besteht.
Im flüssigen Zustand ist keine feste Ordnung der Teilchen mehr gegeben. Aufgrund der stärkeren Eigenbewegung hat sich der Abstand zwischen den Teilchen vergrößert. Daraus kann man schließen, dass ein Stoff im flüssigen Aggregatzustand mehr Raum beansprucht als im festen Aggregatzustand, Dies trifft auch für die meisten Stoffe zu, - außer für das Wasser. Wasser zeigt in dieser Hinsicht eine Anomalie, denn Eis (festes Wasser) beansprucht mehr als Wasser. Man bezeichnet dies als Dichteanomalie des Wassers.
Wasserteilchen, d.h. Wassermoleküle, bestehen aus einem Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatomen. Diese sind jedoch nicht in einer Reihe angeordnet, sondern bilden aufgrund der Bindungsverhältnisse und der Elektronenverteilung im Molekül einen Winkel aus.
Zusätzlich ergeben sich durch die Elektronenverteilung im Molekül Teilladungen: Am Sauerstoff besteht eine negative, an den beiden Wasserstoffen jeweils eine positive Teilladung.
Über diese entgegengesetzt geladenen Teilladungen treten Wassermoleküle miteinander in Wechselwirkung. Zwischen der positiven Teilladung des Wasserstoffs und der negativen Teilladung des Sauerstoffs bilden sich sogenannte Wasserstoffbrücken aus. Der Ausdruck Brücke ist so zu verstehen, dass ein Wasserstoffatom hier eine Brücke zwischen zwei Sauerstoffen bilden kann, da es einerseits an ein Sauerstoffatom gebunden ist, andererseits aber über seine positive Teilladung mit einem anderen Sauerstoffatom in Wechselwirkung tritt.
Im flüssigen Aggregatzustand, bei dem die Teilchen sich frei bewegen, liegen verschiedene und unterschiedlich große Zusammenlagerungen von Wassermolekülen aufgrund von Wasserstoffbrücken vor.
Im festen Aggregatzustand bilden die Wassermoleküle wie alle Stoffe ein regelmäßiges Gitter aus. Dabei ist jedes Sauerstoffatom von vier Wasserstoffatomen umbeben: Zwei davon gebunden, zwei treten aufgrund der unterschiedlichen Teilladungen mi ihm in Wechselwirkung. Ein Gitter, welches diese räumliche Anordnung für jedes Sauerstoffatom erfüllen kann, weist aufgrund der Geometrie große Zwischen räume auf, - größere als dies bei der weniger starren Anordnung der Wassermoleküle im flüssigen Aggregatzustand der Fall ist. Daher dehnt sich Wasser beim Gefrieren zu Eis schlagartig um ein Zehntel seines Volumens aus. Schmilzt Eis, so bricht das Gitter zusammen, die Wassermoleküle bewegen sich aus ihrer Gitterordnung und es sich wieder Anordnungen möglich, die weniger Raum beanspruchen. Die Dichteanomalie ist von großer geologischer Bedeutung, da die Sprengung von Gestein durch gefrierendes Wasser neue Oberflächen zur Erosion schafft.

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Warum Seen zuerst an der Oberfläche zufrieren und Eisberge schwimmen

Im Sommer beim Baden kann man es feststellen: Seen sind an der Oberfläche meist wärmer als in der Tiefe. Wenn die Temperaturen jedoch unter 0°C absinken, bildet sich Eis - welches bekanntlich kälter ist als flüssiges Wasser - zuerst an der Oberfläche ("Seen frieren zu."). Das ermöglicht uns Menschen die Freuden des Schlittschuhlaufens zu genießen, während sich unter uns im flüssigen Wasser die Fische bewegen können.
Woran liegt es, dass die Temperaturverteilung im Wasser im Sommer und im Winter bei Frost entgegengesetzt ist? Zur einfachen Erklärung dieses Phänomens kann man das Teilchenmodell der Materie zu Hilfe nehmen.
Je höher die Temperatur eines Stoffes ist, umso schneller bewegen sich die Teilchen aus denen er aufgebaut ist, Sie beanspruchen dann auch mehr Raum. Da heißt, dass eine bestimmte Menge Teilchen eines Stoffes nach Erwärmen ein größeres Volumen einnimmt als vorher (Wärmeausdehnung der Stoffe). Bezieht man dieses Phänomen auf ein konstantes Volumen (z.B. einen Kubikzentimeter) bei gleichbleibendem Druck (z.B. normaler Luftdruck) bedeutet dies, dass sich darin bei niedrigen Temperaturen mehr Teilchen eines Stoffes aufhalten als bei höheren Temperaturen. Dies wirkt sich auf das Gewicht der betrachteten Volumeneinheit aus, "sie wird beim Erwärmen leichter".
Die Größe, die die Masse der Stoffe für ein bestimmtes Volumen angibt, ist die Dichte. Sie wird angegeben in Gramm pro Kubikzentimeter zusammen mit der Temperatur, für die sie gilt. Die Dichte wird ebenfalls beeinflusst durch den Druck, der auf den Stoff wirkt. Ist dieser abweichend vom Normdruck, muss er ebenfalls angegeben werden.
Die Verteilung von Stoffen relativ zur Erdoberfläche erfolgt gemäß ihrer Dicht, sie nimmt "von unten nach oben" ab. Vergleicht man die Dichte verschiedener Stoffe mit der des Wassers, so kann man vorhersagen, welche Stoffe auf dem Wasser schwimmen und welche nicht. Auch ein und derselbe Stoff mit unterschiedlicher Dichte verteilt sich in der beschriebenen Weise. Daher steigt warme Luft von Heizkörpern in Räumen nach oben und Wasser verteilt sich im See so, dass das warme Wasser an der Oberfläche über dem kälteren Wasser schwimmt.
Wasser zeigt jedoch bezüglich seiner Dichte beim Abkühlen unter 4°C eine Anomalie, die man als Dichteanomalie bezeichnet. Die Dichte des Wassers nimmt - im Unterschied zu fast allen anderen Flüssigkeiten - beim Abkühlen nicht stetig zu. Sie nimmt zu, bis die Temperatur des Wassers 4°C erreicht hat. Bei 4°C ist Dichte des Wassers am größten. Kühlt man es weiter ab, wird seine Dichte wieder geringer. Die Dichte von Eis ist um 0,09g/cm³ geringer als die des Wassers bei 4°C. Darum schwimmt Eis auf Wasser und Eisberge ragen zu einem Zehntel ihres Volumens über die Wasseroberfläche hinaus.
Die Dichteanomalie ist ebenso der Grund dafür, dass in einem See nach dem Abkühlen unter 4°C das kältere Wasser nach obern stiegt. An der Oberfläche trifft es auf kalte Luft, die es gefrieren lässt. Aufgrund seiner geringeren Dichte bleibt das Eis an der Oberfläche über dem 4°C kalten Wasser. Ein See kann also niemals vom Grund her gefrieren.

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Wenn es draußen glatt wird

Sinken die Temperaturen im Winter unter 0°C, den Gefrierpunkt des Wassers, muss man mit Glatteis rechnen. Auf den meisten Hauptverkehrsstraßen wird dann Salz gestreut. Es lässt bereits vorhandenes Eis schmelzen und kann für eine gewissen Zeit die erneute Bildung von "Glatt"- Eis verhindern, auch wenn die Temperaturen bis zu 20 °C unter 0 °C liegen.
Kochsalz (Natriumchlorid) löst sich in Wasser. Diese Erfahrung kann man machen, wenn man Nudeln oder Kartoffeln kocht oder seine Suppe noch etwas nachsalzt. Dabei zerfallen die Salzkristalle und in der Lösung liegen Na?- und Cl¯-Ionen, umgeben von einer Hülle aus Wassermolekülen, vor.
Gibt man Kochsalz und Eis zusammen, wird sich ebenfalls eine Kochsalz-Lösung bilden. Dazu muss das Eis zu Wasser schmelzen und der Salzkristall zerfallen. Beide Prozesse benötigen Energie. Die chemische Triebkraft zur Bildung einer Lösung ist hier jedoch so groß, dass sogar dieser Energieaufwand in Kauf genommen wird. Einen Ausgleich dafür stellt bei naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise die größere Unordnung dar, in der sich die Teilchen nach dem Lösen befinden. Teilchen und Energie streben nämlich an, sich möglichst gut zu verteilen.
Streut man also Salz auf Eis, treten beide Kristallstrukturen an der Oberfläche miteinander in Kontakt. Wassermoleküle werden das Kristallgitter des Eises verlassen, sich um Ionen aus dem Salzkristall herumlagern und diese damit lösen. Es wird sich aus dem Eis und Natriumchloridkristallen eine Lösung von Natriumchlorid in Wasser bilden, d.h. das "Glatt"- Eis wird schmelzen.
Die entstandene Kochsalzlösung wird aber auch, je nach Menge des gelösten Kochsalzes, bis zu einer Temperatur von etwa -20 °C nicht wieder gefrieren. Die gestreute Straße wird nicht mehr glatt werden.
Den Effekt, dass Lösungen (hier: Natriumchlorid in Wasser) gegenüber den reinen Lösungsmittel (hier: Wasser) eine niedrigere Gefriertemperatur zeigen, nennt man Gefrierpunktserniedrigung. Ihr Betrag steigt mit der Menge an gelöstem Stoff. Erstarrt eine Lösung, weil man sie unter die erniedrigte Gefriertemperatur abkühlt so friert nur das reine Lösungsmittel nach und nach aus, wobei die überbleibende Lösung immer konzentrierter wird.
Erstarrt eine Lösung, bildet sich zunächst nur aus den Teilchen des Lösungsmittelns ein Festkörper. Die Gefriertemperatur einer Lösung ist deshalb niedriger als die des reinen Lösungsmittels und des gelösten Stoffs befinden. Zur Bildung der Vergrößerung eines Festkörpers stehen also in einer Lösung weniger Teilchen zur Verfügung. Ein Teil der Plätze an der Oberfläche des zu bildenden Festkörpers wird von Teilchen des gelösten Stoffes besetzt. So wird manchen Lösungsmittelteilchen der Eintritt ins Feststoffgitter versperrt.

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Kühlen ohne Gefrierschrank

Man weiß, dass zu Zeiten Napoleons I (1769-1821) anlässlich von Festbanketten große Eistorten serviert wurden. Es gab damals jedoch noch keine Kühlgeräte, wie wir sie heute kennen. Die erste Fleischgefrieranlage wurde 1861 in Sydney in Betrieb genommen und serienmäßig hergestellte Haushaltskühlschränke kamen erst 1920 auf den Markt.
Kältemischungen sind meist Mischungen von Salzen mit Wasser (flüssig oder in Form von Eis oder Schnee), die beim Mischen unter den Gefrierpunkt des Wassers, d.h. unter 0 °C erkalten. Warum aber kühlen sich diese Mischungen ohne äußeren Einfluss so stark ab?

Das Phänomen soll hier am Beispiel der Kochsalz-Eis-Mischung erklärt werden. In dieser Mischung löst sich das Kochsalz und das Eis schmilzt.
Zunächst soll das Lösen des Salzes genauer betrachtet werden. Ausgangspunkt ist das Salz, welches in Kristallform vorliegt. Endpunkt ist eine Salz-Lösung, in der die Ionen, die das Salzkristall aufbauten, einzeln und jeweils von einer Hülle aus Wassermolekülen umgeben vorliegen.
Der Lösungsprozess mit den daran beteiligten Energien lässt sich gedanklich in zwei Schritte aufteilen.

1. Die Kristallgitter, welches die Ionen aufgrund der Anziehungskräfte zwischen den positiven und negativen Ladungen bilden, wird aufgelöst. Um das Gitter aufzulösen muss Energie aufgewendet werden, die man als Gitterenergie bezeichnet. Ihre Größe ist stoffabhängig, das bedeutet für die unterschiedliche Stoffe verschieden.

2. Die freien Ionen werden im Wasser von einer Hülle aus Wassermolekülen umgeben. Sie sind in dieser Form im Wasser gelöst. Dabei wird Energie frei, die man als Hydrationsenergie bezeichnet. Auch ihre Größe ist stoffabhängig.
- Wird beim Lösen zum Abbau des Gitters mehr Energie verbraucht als bei der Hydration freigesetzt wird, kühlt sich die Lösung ab.
- Wird bei der Hydration der Ionen mehr Energie freigesetzt als zum Abbau des Gitters verbraucht wird, erwärmt sich die Lösung. Ein Beispiel für ein Salz, welches beim Lösen Energie freisetzt, d.h. dessen Lösung sich erwärmt, ist Calciumsulfat.

Warum lösen sich einige Salze, obwohl sie dabei Energie verbrauchen und woher kommt diese Energie?
Ein naturwissenschaftliches Prinzip ist die universelle Tendenz zur Unordnung. Für Teilchen und Energie bedeutet dies, dass sie sich möglichst gut verteilen. Dies ist eine Treibkraft für den Lösungsprozess, denn gelöste Teilchen liegen ungeordneter vor als Teilchen, die in einem Kristall angeordnet sind. Wird Energie für den Lösungsprozess benötigt, so wird diese der Umgebung entzogen, deren Unordnung aufgrund der geringeren Wärmebewegung der Teilchen abnimmt.. Die Bilanz beider Effekte entscheidet darüber, ob sich eine Substanz lösen wird oder nicht.
In Mischungen aus Eis und Kochsalz, schmilzt das Eis und das Salz wird vom Wasser gelöst. Da beide Prozesse Energie benötigen, kühlt sich das Gemisch ab. Der Vorteil, der bezüglich der Unordnung der Teilchen in einer Lösung im Vergleich zum Gemisch aus Eis und Salz besteht, ist aber so groß, dass er den Energieaufwand für Schmelzen und Lösen aufwiegt.

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Ein Berg aus Wasser

Wasser bildet bei Regen oder beim Versprühen Tropfen von nahezu kugelförmiger Gestalt. Warum eigentlich?
Die Teilchen des Wassers zieht sich aufgrund ihrer negativen und positiven Teilladung im Molekül gegenseitig an und bilden sogenannte Wasserstoffbrückenbindungen aus.
Diese Kräfte zwischen den Molekülen sind jedoch an der Oberfläche, d.h. an der Grenzflächen zwischen Wasserteilen auf der einen und Teilchen der Luft auf der anderen Seite, im Ungleichgewicht. Die Wassermoleküle an der Oberfläche erfahren nur eine Anziehung durch andere Wassermoleküle in Richtung auf das Innere der Flüssigkeit. Je kleiner die Oberfläche einer Flüssigkeit ist, um so weniger Teilchen binden sich in diesem Ungleichgewischt der Anziehungskräfte. Die Oberfläche einer Flüssigkeit besitzt eine Spannung, was soviel bedeutet wie eine Kraft, die sie möglichst klein hält. Es muss Energie aufgewendet werden um die Oberfläche einer Flüssigkeit zu vergrößern.
Da die Kugel die geometrische Figur mit der geringsten Oberfläche und dem größten Volumen ist, strebt Wasser immer eine Kugelform an.
Durch die Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den einzelnen Wassermolekülen ist die Oberflächenspannung von Wasser wesentlich höher als die anderer gebräuchlicher Flüssigkeiten.

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Warum nimmt der Wasserdruck zu wenn man taucht?

Wenn man in tiefem Wasser taucht, kann man am ganzen Körper und ganz besonders in den Ohren einen Druck spüren, der umso stärker wird, je tiefer man taucht.
Es ist das Gewicht des Wassers, das sich über einem Taucher befindet, das diesen Druck erzeugt.
Der Druck entsteht dadurch, dass die Masse des Wassers von der Erde angezogen wird, Er stiegt mit der Entfernung zu Oberfläche (Tiefe), da die Masse der Wasserschicht, die den Druck ausübt, größer wird. Natürlich spielt auch die Dichte (Masse pro Volumen) für den Druck eine Rolle. Je größer sie ist, um so größer ist der erzeugte Druck. Flüssigkeiten mit größerer Dichte als Wasser (z.B. Quecksilber) erzeugen daher bei gleicher Höhe der Flüssigkeitssäulen einen höheren Druck als Wasser.
Kenntnisse über den Wasserdruck spielen, z.B. beim Bau eines Staudammes eine große Rolle. Die Staudamm-Mauer muss nämlich dort, wo sie am tiefsten unter der Wasseroberfläche lieft, am dicksten sein, da dort der Wasserdruck am größten ist.

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Regen und andere Wettererscheinungen

Kinder interessieren sich in der Regel nicht für Wetterprognosen. Aber zu einzelnen Naturphänomenen im Zusammenhang mit dem Wetter haben sie zumeist viele Fragen:
Warum regnet es?
Wie entstehen Wolken?
Was ist eigentlich Nebel?

Wettererscheinungen, die in direktem Zusammenhang mit dem Wasser stehen, werden in diesem Kapitel näher betrachtet.
Regen, Schnee und Hagel sind Niederschläge. Sie bringen die Wassermengen, die durch Verdunstung von der Erde in die Atmosphäre gelangt sind, teilweise wieder zurück. Sie kommen aus den Wolken, die sich in der Troposphäre über der Erde befinden.
Was wir als Wolken sehen können, sind Ansammlungen von Kondensations- oder Sublimationsprodukten des Wassers, also Wassertröpfchen oder Eiskristalle. Bei einer Bodentemperatur von 20 °C findet man in der Schicht bis etwa 3 km über der Erdoberfläche aufgrund der Temperatur nur, Wolken, die Wasser enthalten. Erst in den Schichten darüber, in denen die Temperatur bis auf etwa 60 °C in 12 km Höhe abfällt, findet man Eiswolken.
Wolken können entstehen, wenn dampfförmiges Wasser von der Erde in höhere Luftschichten aufsteigt und dort abkühlt, Dann tritt Kondensation bzw. Resublimation ein, deren Auftreten und Ausmaß abhängig ist von der Luftfeuchtigkeit und der Anzahl vorhandener Kondensations--bzw. Resublimationskerne.
Unter Luftfeuchte versteht man den Gehalt der Luft an Wasserdampf. Warum die Luftfeuchte verschieden sein kann, lässt sich verstehen, wenn man den Vorgang des Verdunstens von Wasser noch einmal genauer betrachtet:

Verdunsten ist der Übergang flüssiger Stoffe in den gasförmigen Zustand unterhalb ihrer Siedetemperatur. Dabei verlassen Teilchen, die genügend Energie besitzen, die Flüssigkeit an der Oberfläche. Teilchen, die sich im Gasraum befinden, können, wenn sie nah genug an die Oberfläche der Flüssigkeit kommen, wieder in die Flüssigkeit zurückkehren (kondensieren). Begrenzt man den Gasraum über der Flüssigkeit (z.B. durch eine Gasglocke) wird sich nach einiger Zeit ein Gleichgewichts zustand einstellen zwischen dem Verdunsten und dem Kondensieren von Teilchen. Das bedeutet, dass die Zahl der Teilchen, die sich im gasförmigen Zustand über der Flüssigkeit befinden gleich bleibt. Der Dampf ist gesättigt.
Die Lage des Gleichgewichts ist abhängig von der Temperatur, da bei höherer Temperatur mehr Teilchen der Flüssigkeit ausreichend Energie besitzen, um in den gasförmigen Zustand überzugehen.
Eine charakteristische Größe zur Beschreibung der Gasphase, sie sich mit der zugehörigen flüssigen Phase im Gleichgewicht befindet, ist der Sättigungsdampfdruck. Der Druck eines Dampfes kommt dadurch zu Stande, dass die Teilchen an die Wand des Gefäßes prallen, das den Dampfraum begrenzt. Dieser Druck wird um so größer, je mehr Teilchen sich in der Gasphase befinden, was wiederum erklärt, dass Flüssigkeiten bei steigender Temperatur auch steigende Dampfdrücke entwickeln.
Luft hat eine relative Luftfeuchte von 100 %, wenn sie mit Wasserdampf gesättigt ist. Kühlt man diese Luft ab, kondensiert so viel Wasserdampf, bis der, der neuen Temperatur entsprechende, niedrigere Sättigungsdampfdruck erreicht ist. Erwärmt man diese Luft, könnte sie noch Wasserdampf aufnehmen, um gesättigt zu sein.
Die relative Luftfeuchtigkeit gibt man als Prozentanteil der tatsächlich vorhandenen Wasserdampfmenge von der Wasserdampfmenge im Sättigungszustand an.
Die Wolkenbildung erfolgt also durch Abkühlung von Luft, die Wasserdampf enthält.
Auf Temperaturen, bei denen eine Übersättigung des Dampfes eintritt und es damit zur Kondensation kommt. Dabei spielen Kondensations- bzw. Sublimationskerne eine wichtige Rolle, denn sie dienen als Keime, an denen die Kondensation bzw. Sublimation der gasförmigen Wasserteilchen beginnt. Kleine Staub- oder Rusteilchen, die immer in der Luft vorhanden sind, kommen dafür für die Anfangsphase der Wolkenbildung in Betracht. Im fortgeschrittenen Stadium sind dies bereits vorhandenen Wassertröpfchen oder Eiskristalle. An den Werten für die Größe der Einzeltropfen oder -kristalle unterschiedlicher Niederschläge kann man erkennen, das eine bestimmte Größe erreicht sein muss, damit es zum Niederschlag kommt. Die Niederschlags- Elemente in einer Wolke erreichen diese Größe dadurch, dass Wolkenschichten in der Troposphäre wiederholt absinken und aufsteige(Hebungsvorgänge). Beim Absinken reichert sich die Wolke mit Wasserdampf an, der beim Aufsteigen in kältere Luftschichten kondensiert oder sublimiert. Dabei vergrößern sich bereits vorhandene Tropfen oder Kristalle. Haben sie eine Größe von etwa 0,05 mm erreicht, können sie als Niederschlag fallen.
Einteilung der Niederschläge
Niederschläge : Radius der Tropfen/der Kristalle (mm)

Niederschläge Radius der Tropfen/der Kristalle (mm)
Nieselregen 0,05 - 0,25
Regen 0,25 - 3,00
Schnee Keine Angaben
Eiskörner 0,50 - 2,00
Graupel 1,00 - 2,50
Hagel 2,50 - 25,00

Hagel entsteht, wenn die Hebungsvorgänge sehr schnell hintereinander stattfinden oder Luftschichten sehr schnell und sehr hoch steigen, d.h. wenn große Turbulenzen der Luftschichten auftreten. Dann werden die Niederschlagselemente lange genug in Bewegung gehalten, und sich so stark zu vergrößern.
Es gibt verschiedene Erscheinungsformen von Wolken. Man findet sie in unterschiedlichen Höhen der Troposphäre. Sie unterschieden sich in der Anzahl der Tropfen bzw. Eiskristalle, die sie pro Kubikzentimeter enthalten und in der durchschnittlichen Größe dieser Tropfen bzw. Kristalle.
Erscheinungsformen von Wolken:

- Cirrus (Federwolken): isolierte Eiswolken der hohen Wolkenschicht, faseriges Aussehen
- Cirrus cumulus (Schäfchenwolken): Flockige Eiswolken der hohen Wolkenschicht; kommen sie aus Westen, kündigen sie schlechtes Wetter an
- Cumulus (Haufenwolken): dichte, isolierte Wasserwolken der tiefen Wolkenschicht; bleiben sie in gleicher Höhe, sind sie Schönwetterwolken; steigen sie auf, werden sie zu Mischwolken und bringen Niederschlag
- Cumulus nimus (Gewitterwolken): dichte Wasserwolken der mittelhohen Wolkenschicht; sie bringen starke Regengüsse Kondenssteifen der Flugzeuge, die man an klaren Tagen am Himmel beobachten kann, sind künstliche Wolken. Sie entstehen durch die Abkühlung der wasserdampfhaltigen Flugzeugabgase in Höhen von etwa 10 km.

Nebel ist, genau betrachtet, eine Wolke ganz nahe der Erdoberfläche, denn auch der Nebel enthält kleine Wassertropfen. Er entsteht, wenn die Erdoberfläche im Vergleich zu darüber liegenden Luftschichten noch seht warm ist, was vor allem im Herbst der Fall ist, wenn die Sonne tagsüber die Erde stark erwärmt, die Luft aber in der Nacht schnell abkühlt. An der warmen Erdoberfläche entsteht dann Wasserdampf. Dieser trifft direkt über dem Boden auf kalte Luft und kühlt sich ab. Ein Teil des Wasserdampfes kondensiert in Form kleiner Tröpfchen, wie es in einer Wolke der Fall ist. Die Luft erscheint dadurch trübe, und wir bezeichnen diese Erscheinung als Nebel. Wenn die Sonne diese Luftschichten wieder erwärmt, löst sich der Nebel wieder auf, da sich mit steigender Temperatur mehr Wasserdampf in der Luft löst.
Tau nennen wir kleine Wassertröpfchen, die man morgens an Pflanzen, Steinen u. a. finden kann. Sie entstehen, wenn der Boden schneller abkühlt als die Luft. Dann befindet sich warme Luft mit einem relativ hohen Gehalt an Wasserdampf über dem kalten Boden. Der Wasserdampf kühlt dort ab und kondensiert als Wassertröpfchen.
Reif bildet sich häufig im Winter. Dabei sublimiert Wasserdampf der Luft in Form von Eiskristallen an Bäumen, Steinen, Autoscheiben u. a.. Dies geschieht, wenn die Temperatur der Objekte, die von Reif überzogen werden, unter dem Gefrierpunkt des Wassers liegt und die Luft mehr Wasserdampf enthält als dem Dampfdruck für 0 °C entspricht.

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Der Kreislauf des Wassers

Regen ist Wasser, das auf die Erde fällt und aus den Wolken kommt. Wie aber kommt das Wasser in die Wolken und wohin verschwindet der Regen, der auf die Erde gefallen ist? Der gesamte Wasservorrat auf der Erde wird auf 1,4 Trillionen Tonnen geschätzt.

1000 [km³] Anteil [%]
Meerwasser 1.348.000 97,33
Polareis und Gletscher 28.200 2,04
Grundwasser 8.450 0,61
Seen und Flüsse 126 0,009
Salzseen 105 0,006
Bodenfeuchtigkeit 69 0,005
Wasserdampf der Lufthülle 14 0,001

Dieses Wasser befindet sich in einem Kreislauf, dem Wasserkreislauf. Darin kommt das Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen vor. Die Übergänge zwischen den verschiednen Aggregatzuständen finden an bestimmten Stellen in diesem Kreislauf statt.
In Meeren, Flüssen und Seen kommt auf der Erde flüssiges Wasser vor, Eis findet man in Gletschern und an den Polen. Mit Hilfe der Energie der Sonne verdunstet das Wasser bzw. sublimiert das Eis und es entsteht gasförmiges Wasser, Wasserdampf, der in die Troposphäre aufsteigt. Der Vorgang der Verdunstung ist abhängig von verschiedenen Faktoren:

Temperatur Mit steigender Temperatur steigt auch die Wassermenge, die verdunstet.
Größe der Oberfläche des Wasser Da die Verdunstung des Wassers an der Oberfläche stattfindet steigt die Menge mit der Größe de Oberfläche an.
Wind Durch die Verdunstung reichert sich der Wasserdampf in der Luft über dem Wasser an. Dies geschieht bis zu einem bestimmten Gehalt, dem Sättigungsdampfdruck. Wird der Wasserdampf durch Wind von der Wasseroberfläche weggeblasen, wird die Luft über der Oberfläche nicht gesättigt an Wasserdampf und die Verdunstung verläuft weiter.

In der Troposphäre herrschen, mit zunehmender Entfernung von der Erdoberfläche, Temperaturen zwischen + 20 °C und - 80 °C. Der Wasserdampf erfährt bei diesen Temperaturen eine Abkühlung und kondensiert zu Wasser (flüssig) oder resublimiert zu Eis (fest).
Dieses Wasser oder Eis kommt dann in Form von Niederschlag zu Erde zurück. Dort fließt es vom Land in Flüssen und Bächen ab, die das Wasser den Meeren zuführen, oder es versickert im Boden, wo es das Grundwasserreservoir bildet.
Der Mensch beeinflusst den Wasserkreislauf dadurch, dass er einerseits lokal sehr viel Grundwasser entnimmt und andererseits die Flächenanteile von versiegeltem Boden, in den kein Wasser versickern kann, erhöht. Beides bewirkt, dass der Grundwasserspiegel sinkt.

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Verdunstungsgeschwindigkeiten verschiedener Flüssigkeiten

Ein gerade auf die Haut gesprühtes Parfüm hinterlässt neben dem erwünschten Dufteffekt auch ein leichtes Kältegefühl. Sportler sprühen sich manchmal bei kleineren Verletzungen in der Muskulatur besondere Vereisungssprays auf die betreffende Stelle, so dass es sie den Schmerz für kurze Zeit nicht mehr spüren und es nicht zu Einblutungen kommt. Auch vom Wasser kennen wir solche Kühl-Effekte: uns wird kalt, wenn wir unseren nassen Körper nicht abtrocknen oder das Kühlen einer Weinflasche in einem feuchten Tongefäß. Sie sind jedoch im Vergleich zu den oben genannten Flüssigkeiten schwächer.
Die Verdunstung einer Flüssigkeit hängt neben der Temperatur, der Oberfläche und dem Sättigungsgrad des Dampfes, der über der Flüssigkeit steht auch davon ab, wie stark sich de Teilchen der Flüssigkeit gegenseitig anziehen. Je größer die Anziehungskräfte zwischen den Teilchen sind, um so mehr Energie benötigt ein Teilchen, um sich aus dem Verband zu entfernen, zu verdunsten. Es gibt daher Flüssigkeiten, die unter gleichen Bedingungen schneller verdunsten als andere.
Flüssigkeiten, deren Teichen Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden können, besitzen in der Regel hohe Siedetemperaturen und sind weniger flüchtig als andere da Wasserstoffbrücken relativ starke zwischenmolekulare Kräfte sind. Wasserstoffbrückenbin dungen können nur von solchen ungeladenen Molekülen ausgebildet werden, in denen an Stickstoff, Sauerstoff oder Fluor gebundene Wasserstoffatome vorhanden sind. (Beispiele: Fluorwasserstoff (HF); Wasser (H2O))
Sine die Teilchen Dipole, d.h. es existieren unterschiedliche Teilladungen, wirken Dipol-Dipol-Kräfte, die die Verdunstung erschweren. Hier gibt es natürlich Unterschiede in der Stärke der Dipol-Dipol-Kräfte.
Der Kühleffekt einer verdunsteten Flüssigkeit beruht darauf, dass der Verdunstungsprozess Energie verbraucht. Wird diese Energie der Flüssigkeit schneller entzogen als sie aus der Umgebung als Wärme aufgenommen werden kann, kühlt sich die Flüssigkeit ab. Das Ausmaß der Abkühlung ist dabei abhängig davon, wie schnell die Verdunstung verläuft.
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