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Musik bedeutet mit alles von Bettina Stainer Musik bedeutet mir alles „Dreh die Musik bitte leiser.“ Verzweifelt versuche ich meiner Mutter wieder einmal klar zumachen, dass es eine ganz erträgliche Lautstärke sei und es nichts daran auszusetzen gäbe. Sie sei nur zu empfindlich. Vergebens. Es endet damit, dass ich mir die Kopfhörer zu Hilfe nehme, um sie nicht weiter aufzuregen. Es dauert ein paar Minuten bis ich wieder zuhören kann. Schlagzeug erklingt leise im Hintergrund und das Klavier betritt den Raum. Leichtfüßig läuft es von einem Akkord zum anderen und lässt die Melodie erahnen. Nun leistet der helle Ton des Saxophons dem Lauf der Tasten Gesellschaft und bremst ihn ein wenig, bis beide ausklingen. Erwartungsvoll spitze ich meine Ohren bis sich eine rauchige Frauenstimme aus der Stille erhebt und aufsteigt. Das Klavier setzt ihr frech entgegen, doch sie versucht es zu beherrschen und mit einem langgezogenen hohen Ton bringt sie es zum Schweigen. Sie hält inne. Wenige Sekunden. Dann folgen beide versöhnt der Melodie. Sie harmonieren zusammen und ergänzen sich. Ohne ein Wort der Aufforderung leistet das Saxophon ihnen Hilfe. Diese Bereitschaft lässt mein Herz einen Salto springen und entlockt meinem Gesicht ein zufriedenes Lächeln. Ich schließe die Augen, drücke mit der Handfläche die Kopfhörer näher an meine Ohren und träume mich weg. Vor meinem inneren Auge erscheint eine ältere Frau, die das Mikrofon, mit beiden Händen umklammert an ihren Mund hält. Sie gibt sich ihrer Musik hin und hält sich am kalten Mikrofon fest, um nicht davon zufliegen; in eine Welt aus Klängen. Nun öffnet sie die Augen und übergibt lächelnd dem Pianisten das Kommando. Mein Herz gerät in Wallung, sobald ich sehe wie seine Hände mit ausschweifenden Gesten über die Tasten gleiten. Er stiehlt die Noten aus seinem Gedächtnis und schmückt sie weiter aus. Der Saxophonist erweckt mich aus dem spöttelnden Rhythmus des Klaviers, indem er einen lauten Ton in den Raum wirft. Nach dem berauschenden ersten Ton spielt er sich leise in mein Herz. Mit Wehmut merke ich, dass das Lied sein Ende nimmt. Ein letztes Mal vereinen sich die drei Künstler. Sie werden immer leiser, verschwinden bald dahin wo sie hergekommen sind: ins Nichts. Klar erklingt die rauchige Stimme und umhüllt mein Herz mit einem warmen Stoff, bevor sie mich, glücklich um diesen letzten Ton, zurücklässt. Ich öffne die Augen und befinde mich überraschenderweise immer noch auf dem Sofa. Ehe ein nächstes Lied meine Glückseligkeit zerstört, schalte ich den Radio aus. Dieses Lied hat mich drei Minuten in eine andere Welt versetzt. Es hat mich fühlen lassen und durch seine Einzigartigkeit bewegt. Ich bin froh, um jede Note, die ich hören durfte. Musik macht mein Leben lebenswert. Der Auftrag für die Deutsch-Schularbeit lautete einfach: ....... bedeutet mir alles. |
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